Einkommensteuer: Das sollten Gründer:innen wissen

Wenn du in Deutschland ein Einkommen beziehst, musst du dieses versteuern und den errechneten Betrag als Einkommenssteuer an das Finanzamt überweisen. Das gilt auch für Gründer:innen. Die gesetzliche Grundlage zur Steuererhebung ist das Einkommensteuergesetz (EStG), denn grundsätzlich ist jeder, der in Deutschland seinen Wohnsitz hat oder länger als ein halbes Jahr in Deutschland lebt, einkommensteuerpflichtig. Informiere dich deshalb im Wissensportal von LEXROCKET, was es mit dieser Einnahmequelle des Staates auf sich hat. Erfahre, was du für den korrekten Umgang mit der Einkommensteuererklärung wissen musst und welche Einkunftsarten steuerpflichtig sind. Mach dich schlau, nur dann kannst du deine Position gegenüber dem Finanzamt im Zweifelsfall begründen!

Definition: Was ist die Einkommensteuer?

Die Einkommensteuer ist eine Gemeinschaftssteuer. Sie wird nach einem fest definierten Verteilerschlüssel auf den Bund, die Bundesländer bzw. die Gemeinden aufgeteilt. Sie gilt neben der Umsatzsteuer als wichtigste Einnahmequelle des Staates. Welche Einkünfte von dir als Gründer:in relevant sind und wie sich deine Steuerlast errechnet, kannst du im Einkommensteuergesetz nachlesen. Auch ein:e Steuerberater:in ist der bzw. die geeignete Ansprechpartner:in, um dir Steuertipps für Existenzgründer:innen erklären zu lassen. Wenn du noch keinen Expert:innen kennst, dann informiere dich online. Im Internet lässt sich ganz leicht ein:e Steuerberater:in finden.

Unser Tipp

Voraussetzungen der Einkommensteuer kennen

In deiner festzusetzenden Erklärung zur Einkommensteuer musst du alle Einkünfte aufführen, die du im Laufe eines Jahres generiert hast. Machst du falsche Angaben oder fehlen Informationen, kann das großen Ärger mit der Finanzbehörde nach sich ziehen. Um gravierende Nachzahlungen zu vermeiden, solltest du dich deshalb mit den Voraussetzungen der Einkommensteuer beschäftigen.

Einkommensteuer und Lohnsteuer: Was unterscheidet sie?

Die Wortschöpfungen Lohnsteuer und Einkommensteuer bringen auch dich durcheinander? Im Grunde ist es aber ganz einfach: Die darin enthaltenden Begriffe „Einkommen“ bzw. „Lohn“ sind das eigentliche Unterscheidungsmerkmal. Denn beim Lohn handelt es sich um die Bezahlung eines Arbeitnehmers bzw. einer Arbeitnehmerin für geleistete Arbeit. Das Einkommen definiert dagegen ALLE regelmäßigen Einnahmen, Bezüge oder Einkünfte z. B. durch Vermietung, die dir jährlich zufließen. Deshalb handelt es sich bei der Lohnsteuer auch nicht um eine eigenständige Steuerart. Sie bildet nur einen Teil eines Einkommens ab und wird von Arbeitgeber:innen sozusagen als Vorauszahlungen der Einkommensteuer an das Finanzamt übermittelt.

Unser Tipp

Alle Einkünfte angeben

Wenn du nebenberuflicher Gründer bist, musst du also bei der Einkommensteuererklärung neben deinem Gehalt unter Umständen noch weitere Einkünfte angeben. So ergibt sich für dich entweder eine Steuernachzahlung oder eine Rückerstattung, falls du zuviel Steuer abgeführt hast. Wenn du mehr wissen möchtest, dann stöbere zusätzlich z. B. im Wissensportal von LEXROCKET. Hier findest du Tipps zur strategischen Unternehmensführung, die dir den Alltag erleichtern.

Was sind einkommensteuerpflichtige Einkünfte

Der Paragraph 2, Abs. 1 des EStG definiert sieben Einkunftsarten, die außer einem Gehalt einkommensteuerpflichtig sind. Folgende Einkünfte fallen darunter:

  • Aus selbständiger Arbeit: Hinzugerechnet werden hier auch Einkünfte aus der Arbeit als Aufsichtsrat.
  • Aus Gewerbebetrieb: Hierzu zählen u.a. auch Einkünfte aus Geldanlagen des Unternehmens.
  • Aus Kapitalvermögen (Kapitalertragssteuer): Versteuert werden Dividenden, Zinsen oder Gewinn-Anteile aus Unternehmen wie einer GmbH. Der Steuersatz ist pauschal.
  • Aus Land- und Forstwirtschaft: Gemeint sind Einkünfte aus dem Weinbau oder der Jagd.
  • Aus nichtselbständiger Arbeit: Besteuert werden Altersbezüge oder Personen, die Invaliditätsbezüge erhalten.
  • Aus Vermietung und Verpachtung: Ausgeschlossen von der Besteuerung sind nur vermietete Dinge wie Autos.
  • Sonstige Einkünfte: Hier werden private Rentenbezüge oder Unterhaltsleistungen besteuert.
Unser Tipp

Unterscheidung von natürlichen und juristischen Personen

as EStG unterscheidet bei der Besteuerung von Einkünften zwischen juristischen Personen, z. B. einer GmbH und natürlichen Personen. Selbstständige, wie z. B. Freiberufler und umsatzsteuerpflichtige Kleinunternehmer zahlen Einkommensteuer. Ein Kleingewerbe zählt ebenfalls dazu. Hast du eine AG gegründet, zahlst du als Unternehmer stattdessen eine Körperschaftssteuer.

Regeln zur Steuerfreiheit

Arbeitnehmer:innen, die monatlich weniger als 450 Euro verdienen, weil sie sogenannten Mini-Jobs nachgehen, sind von der Einkommensteuerpflicht befreit. Auch Einkünfte, die du aus einer Mitarbeit in einer öffentlichen Einrichtung oder einem Verein generiert hast, sind steuerfrei. Allerdings nur, wenn sie jährliche Summe von 2.400 Euro nicht übersteigen.

Weißt du, was Einkünfte unter „Progressionsvorbehalt“ nach § 32b EStG sind? Darunter versteht der Gesetzgeber z. B. das Arbeitslosengeld I, Krankengeld sowie Kurzarbeitergeld, aber auch das sogenannte Insolvenzgeld. Diese Einkunftsarten sind – laut den Einkommensteuerrichtlinien – generell steuerfrei.

Unser Tipp

Definition Progessionsvorbehalt

Progressionsvorbehalt heißt, dass diese Einkünfte zum Grundfreibetrag, der dir zusteht, hinzugerechnet werden dürfen. Was schlussendlich dann doch zu einer Besteuerung führen kann.

Wie wird Einkommensteuer abgeführt?

Zunächst einmal: Die Einkommensteuer wird immer an das Finanzamt abgeführt. Die Behörde prüft deine Angaben, um im nächsten Schritt die Einkommensteuer zu berechnen.  Als selbstständige:r Gründer:in oder Vermieter:in bzw. später als steuerpflichtige:r Rentner:in bist du verpflichtet eine jährliche Erklärung zur Einkommenssteuer abzugeben. Deren Abgabetermin endet stets im Juli des Folgejahres, alle Unterlagen müssen also bis zum 31. Juli digital übermittelt sein.

Wenn du deine Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht hast, wird sie innerhalb von Wochen bearbeitet. Abschließend erhältst du einen Einkommensteuerbescheid, gegen den du innerhalb einer bestimmten Frist Einspruch einlegen kannst.

Unser Tipp

Gewerbesteuer anrechnen lassen

Gründer können zu ihrer Steuerentlastung die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anrechnen lassen. Maximal kann hierfür nur der tatsächlich gezahlte Gewerbesteuerbetrag angerechnet werden.

Befreiung von der Erklärungspflicht

Bei Arbeitnehmer:innen sieht es anders aus. Unter bestimmten Voraussetzungen sind sie von der Erklärungspflicht befreit. Folgendes muss beispielsweise zutreffen:

  • Die zu Einkünfte übersteigen nicht den Grundfreibetrag.
  • Es liegen nur einkommensteuerpflichtige Lohnzahlungen von einem einzigen Arbeitgeber vor.
  • Der Steuerpflichtige bzw. sein Ehepartner hat nicht die Steuerklasse IV oder V.
  • Außer dem Gehalt bzw. Lohn gibt es keine weiteren Einkünfte.
Unser Tipp

Ausgaben immer prüfen

Auch wenn du keine Steuererklärung abgeben musst, lohnt es sich, deine eigenen Ausgaben zu prüfen. Möglicherweise könnte sich das eine oder andere steuermindernd auswirken, so dass du eine Rückerstattung vom Finanzamt erhältst.

Einkommensteuer als Vorauszahlung

Wie du bereits weißt, bezieht sich die Überweisung der Einkommensteuerschuld immer auf das vorangegangene Kalenderjahr. Deshalb kann das Finanzamt das Recht nutzen, dir eine sogenannte Steuervorauszahlung zu berechnen. Als Grundlage dienen deine Angaben zu versteuernden Einkünften und Bezügen aus der zuletzt eingereichten Steuererklärung. Das Finanzamt teilt die berechnete Steuerlast durch vier und ermittelt so vier Quartalsraten, die von dir, jeweils zum 10. im März, Juni, September und Dezember gezahlt werden müssen.

Info

Corona und Einkommensteuer

Wegen der Corona-Pandemie hat das Bundesfinanzministerium im Frühling 2020 bis auf weiteres eine Ausnahmeregelung für Vorauszahlungen der Einkommensteuer beschlossen. Demnach kannst du als Steuerpflichtiger eine niedrigere Vorauszahlung bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen. Das dazu nötige Formular heißt „Steuererleichterungen aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus“ und steht zum kostenlosen Download auf der Webseite der Finanzbehörden zur Verfügung.

So wird die Einkommensteuer berechnet

Sicherlich interessiert es dich nun, wie das Finanzamt die Höhe der Einkommensteuer ermittelt. Dazu sieht das Einkommensteuergesetz (EStG) eine Reihe von Regeln und Tarifen vor. Sie nehmen Einfluss auf die Höhe deiner Steuerlast. Vorgesehen sind darin auch steuersenkende Faktoren, also Ausgaben, die deine Einkommensteuer verringern können.

Info

Netto-Regel in Deutschland

Bei der Berechnung der Einkommensteuer in Deutschland wendet das Finanzamt die sogenannte Netto-Regel an. Was heißt, dass nur die Netto-Einnahmen versteuert werden. Von diesem kannst du zu deinen Gunsten die Betriebsausgaben abziehen. Alle Zahlen beziehen sich stets nur auf das vorangegangene Jahr.

Senkung der Steuerlast durch besondere Ausgaben

Das EStG kennt drei Ausgabenarten, die du steuersenkend für dich geltend machen kannst. Folgende Übersicht erklärt sie dir:

  • Werbungskosten: Das sind alle Kosten, die dich im Zusammenhang mit deiner beruflichen Tätigkeit belasten, z. B. Kosten für die Fahrt zur Arbeitsstelle oder Weiterbildungskosten und Fachliteratur.
  • Sonderausgaben: Darunter fallen Ausgaben z. B. für den Steuerberater oder die Steuerberaterin, für Spenden sowie für Versicherungen.
  • Außergewöhnliche Belastungen: Das sind Ausgaben, die dich so stark belasten, wie beispielsweise Scheidungs- und Unterhaltskosten oder Krankheitskosten.
Info

Außergewöhnliche Belastungen und Pauschalbetrag für Pflege

Der Posten „Außergewöhnliche Belastungen“ kann zusätzlich durch Kinder- oder Betreuungsfreibeträge gemindert werden. Bei der Berechnung der Einkommensteuer wird der Freibetrag vom Nettoeinkommen abgezogen. Er lag 2020 bei 7.812 Euro. Für die Betreuung von Familienmitgliedern steht dir außerdem ein Pauschalbetrag für Pflege in Höhe von knapp 1.000 Euro zu.

Einkommensteuer-Berechnung: Schrittweise erklärt

Die Höhe der Einkommensteuer wird anhand deiner jährlichen Einkünfte berechnet. Daraus ergibt sich eine Bemessungsgrundlage. Die Berechnung erfolgt in folgenden Schritten:

  • Zu Beginn jeder Einkommensteuer-Berechnung stehen deine Einnahmen: Dazu zählt alles, was du im Laufe eines Jahres verdient und zusätzlich eingenommen hast. Das Finanzamt rechnet z. B. Witwenrenten oder Berufsunfähigkeitsrenten zu den Einnahmen und – was du vielleicht nicht weißt – auch Sachleistungen wie Kost und Logis. Geldwerte Vorteile wie ein Geschäftswagen, der privat genutzt wird, zählt ebenfalls zu deinen Einnahmen.
  • Deine Einkünfte sind der Betrag, den du übrig hast, wenn du steuersenkende Ausgaben wie z. B. Werbungskosten von den Einnahmen abziehst. Prinzipiell zieht das Finanzamt für jeden Arbeitnehmer eine Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro ab. Wenn du höhere Ausgaben hattest, musst du das in deiner Steuererklärung nachweisen.
  • Wichtig: Für die abschließende Summe deiner Einkünfte musst du alle sieben Einkunftsarten – soweit sie dich betreffen – in der Steuererklärung aufgelistet haben. Gemeint sind z. B. auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung etc.
  • Abzug der Freibeträge: Erst wenn sogenannte Freibeträge von der Summe deiner Einkünfte abgezogen sind, spricht das Finanzamt vom Gesamtbetrag deiner Einkünfte. Davon werden als nächstes Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und sonstige Beträge abgezogen. Auch ein Verlustvortrag senkt deine Einkommensteuer. Er ist laut § 10d Abs. 2 EStG bis zu einem Gesamtbetrag der Einkünfte von einer Million Euro unbeschränkt möglich.
  • Erst im letzten Schritt zieht der Finanzbeamte vom ermittelten Einkommensbetrag gegebenenfalls den Kinderfreibetrag ab und einen sogenannten Härteausgleich für Nebeneinkünfte.
Info

Verlustrücktrag und Verlustvortrag

Entsteht durch eine der sieben Einkunftsarten ein Verlust, kannst du diesen Verlust, zumindest teilweise, mit anderen Einkünften des gleichen Kalenderjahres steuermindernd verrechnen. Gibt es keine derartigen Einkünfte, dann darfst du im Rahmen der Einkommensteuererklärung entweder einen Verlustrücktrag oder einen Verlustvortrag beantragen. Hol dir hierzu am besten Rat bei deinem Steuerberater oder nutze für einen besseren Überblick eine Buchhaltungsoftware für Gründer.

Unterscheidung nach Tarifen

Zunächst einmal gilt: Je höher dein Einkommen ausfällt, umso mehr Steuern musst du zahlen. Das Finanzamt wendet hier progressive Steuertarife an, die mit 14 Prozent Eingangssteuersatz beginnen und beim Höchststeuersatz von 45 Prozent enden. Welcher Einkommensteuertarif für die Berechnung deines Steuersatzes zur Anwendung kommt, hängt von deinem Familienstand, dem zu versteuernden Einkommen und deinem Alter ab. Folgende fünf Tarifzonen für die Einkommensteuer gibt es:

  • Tarifzone 1: Das ist die sogenannte Nullzone, in der keine Steuern anfallen.
  • Tarifzone 2: Sie greift bei einer Einkommensteuergrenze bis zu 13.769 Euro pro Jahr. Hier gilt ein  Steuersatz von 14 Prozent.
  • Tarifzone 3: Diese gilt für jährliche Einkommen von bis zu 53.665 Euro. Hier berechnet das Finanzamt einen Einkommensteuersatz von bis zu 42 Prozent.
  • Tarifzone 4: Sie betrifft Einkommen zwischen 54.058 Euro und 265.303 Euro jährlich. Die Einkommensteuer bleibt bei 42 Prozent.
  • Tarifzone 5: Diese gilt für Reiche und wird stets mit dem Spitzensteuersatz von 45 Prozent berechnet.
Unser Tipp

Einkommensteuer mit kostenlosem Rechner berechnen

Wenn du wissen möchtest, wie hoch deine Einkommensteuer ausfallen wird, kannst du z. B. auf der Webseite des Bundesfinanzministeriums den kostenlosen Rechner zur Einkommensteuer ausprobieren. Online findest du ebenfalls zahlreiche Angebote zum kostenlosen Download der aktuell gültigen Einkommensteuertabelle. Damit kannst du deinen Durchschnittsteuersatz in Prozent bzw. deinen Gesamtsteuerbetrag ganz leicht ermitteln.

Fazit für Gründer:in zum Thema Einkommensteuer

Es lohnt sich, wenn du als Gründer:in und angehende:r Unternehmer:in in Sachen Einkommensteuerveranlagung einschlägiges Wissen erwirbst. Denn so bist du in der Lage, Steuerfehler zu vermeiden und achtest auf die Vollständigkeit und Korrektheit deiner Angaben in der jährlichen Einkommensteuer-Erklärung. Wenn du dir diese nicht alleine zutraust, dann wende dich an eine:n Steuerberater:in. Er wird mit dir gemeinsam alle relevanten Faktoren und Freibeträge herausfinden, die deine Steuerschuld mindern. Eine Online-Buchhaltung hilft dir dabei. Mit einer Software dieser Art erfasst und verwaltest du deine Belege und kannst stets nachweisen, wie sie z. B. bei Firmengründung zustande kamen. So generierst du möglicherweise hohe Rückerstattungen vom Finanzamt, was schlussendlich wieder deinem Gewinn bzw. der Liquidität deines Start-up zugute kommt.

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