Female Founders: Das sind die Herausforderungen von Gründerinnen

Wie oft hast du schon den Satz „Frauen gründen anders“ gehört? Während die Anzahl von Start-ups kontinuierlich wächst, scheinen Female Founders weiterhin unterrepräsentiert zu sein. In diesem Beitrag hier auf LEXROCKET zeigen wir auf, auf welche Weise Gründerinnen in der Business-Welt vertreten sind, vor welchen Herausforderungen sie stehen und was sie benötigen, um ihr Potenzial zu entfalten. Unsere Super Startup Adventure Camps zeigen deutlich, dass die Quote an Gründerinnen stetig zunimmt und es in Deutschland inzwischen zahlreiche erfolgreiche Female Founders gibt.

Hinweis: Gendergerechte Sprache ist uns wichtig. Daher verwenden wir auf diesem Portal, wann immer möglich, genderneutrale Bezeichnungen. Daneben weichen wir auf das generische Maskulinum aus. Hiermit sind ausdrücklich alle Geschlechter (m/w/d) mitgemeint. Diese Vorgehensweise hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung.

Gründung
Entwicklungsphase
Drei Frauen laufen einen Gang entlang, Artikelbild zu Female Founders, LEXROCKET Wissen
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© Alexander Suhorucov - pexels.com

Wie sind Frauen in der Startup-Welt vertreten?

Je nach Studie variieren die genauen Zahlen zu den von Frauen gegründeten Start-ups um einige Prozentpunkte. So ermittelte beispielsweise der Female Founders Monitor des Start-up-Verbands im Frauenanteil von etwa 15,7 % für das Jahr 2020, während die Startbase im Female Founders Report 2021 auf rund 11,9 % beziffert wurde. Für das Jahr 2021 stellte der Deutsche Startup Monitor vom Bundesverband Deutsche Startups einen gestiegenen Anteil von 1,8 Prozentpunkten fest, also 17,7 %. Auch wenn die Zahlen aufgrund unterschiedlicher Stichproben nicht deckungsgleich sind, ist offensichtlich: Gründungen von Frauen sind deutlich seltener als die von Männern.

Unter den Startups sind die Branchen Informations- und Kommunikationstechnologie (30,5 %) sowie das digitale Geschäftsmodell Software-as-a-Service (SaaS) (26,5 %) Spitzenreiter. Werfen wir einen Blick auf von Frauen gegründete Unternehmen, liegt ihre Repräsentation in der Informations- und Kommunikationstechnologie bei lediglich 8,8 % und im Feld SaaS bei 5 %. Female Founders setzen ihre Geschäftsideen am ehesten innerhalb des Online-Marketings als Online-Shop um und dominieren die folgenden Branchen:

  • Medizin- und Gesundheitswesen
  • Konsumgüter
  • Textil
  • Ernährung & Nahrungsmittel
  • Bildung
  • Human Resources
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Unterschiedliche Prioritäten und Ziele

Frauen gründen oft aufgrund unterschiedlich gesetzter Prioritäten und unternehmerischer Ziele. Während die weibliche und männliche Verteilung im Bereich der Green Economy ausgewogen ist, sind Female Founders deutlich stärker im Social Entrepreneurship aktiv.

Herausforderungen für Gründerinnen

Dass es weniger Female Founders gibt, bedeutet jedoch nicht, dass sie weniger erfolgreich sind. Die Boston Consulting Group untersuchte weibliche Start-ups und stellte fest, dass sie innerhalb eines Fünfjahreszeitraums trotz größerer Herausforderungen wie geringere Finanzierungsrunden 10 % höhere kumulierte Umsätze als die männlichen Start-ups erzielten. Insgesamt belief sich das auf einen Erlös von 78 Cent pro investierten Dollar, bei männlichen Gründern auf lediglich 31 Cent. Angesichts dieser Fakten lohnt sich einen Blick auf die alltäglichen Herausforderungen zu werfen, mit denen sich Female Founders konfrontiert sehen:

  • Finanzierungsschwierigkeiten: Female Founders gelangen schwieriger an Fremdkapital sowie Fördermittel und sind daher eher auf eigene Ersparnisse und die Unterstützung von Freund:innen und Familie angewiesen. Laut Female Founders Monitor erhielten nur 5,2 % der weiblichen Startups eine Finanzierung von über 1 Million Euro, bei den männlichen waren es ganze 27,8 %.
  • Vorurteile: Gründerinnen haben bei Pitches vor potenziellen Investor:innen regelmäßiger mit Vorurteilen zu kämpfen: Sie würden weniger technische und unternehmerische Expertise haben und zu unerfahren sein. Außerdem werden Female Founders meist mit kritischeren Rückfragen konfrontiert: Statt wie Männer nach möglichen Gewinnen gefragt zu werden, stehen mögliche Verluste im Fokus.
  • Auftreten: Ein weiterer Unterschied ist, dass Female Founders in der Regel zurückhaltender in ihren Wachstumsprognosen sind und demnach auch weniger Kapital fordern. Männer hingegen tendieren dazu, gewagtere Prognosen und Erwartungen zu formulieren. Obwohl Female Founders realistischere Einschätzungen abgeben, sehen Investor:innen häufig männliche Start-ups als besseres Investment.
  • Fehlendes Verständnis: Zu den Vorurteilen gegenüber Female Founders kommt das fehlende Verständnis für ihre Geschäftsideen dazu. Da der Bereich des Venture Capitals ebenfalls eine männerdominierte Domäne ist, fehlt es männlichen Investoren vielfach an Verständnis für die Produkte, die Frauen an Frauen verkaufen möchten. Oft liegt es aber auch daran, dass E-Commerce-Geschäftsmodelle weniger skalierbar sind als Tech-Unternehmen und demnach weniger Risikokapital erhalten.
  • Familienplanung: Knapp 50 % der Gründer:innen sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Startup gründen. Das ist die Zeit, in der Familienplanung und Familienmanagement für viele von ihnen wichtige Themen sind. Trotz sich verändernder Geschlechterrollen und dem häufiger in Anspruch genommenen Vaterschaftsurlaub ist die Kinderbetreuung nach wie vor meist Frauensache. Das unterstreicht die Tatsache, dass sich rund 42 % der Female Founders mehr politische Unterstützung zur Vereinbarkeit von Familie und Arbeit wünschen, während es nur etwa 20 % bei den männlichen Kollegen sind. Diese Herausforderung gepaart mit finanzieller Unsicherheit hält viele Frauen davon ab, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
  • Netzwerk: Schließlich verfügen Female Founders meist über ein weniger stabiles und breites Netzwerk, auf das sie für Investments, Allianzen sowie Fragen und Tipps rund um das Unternehmertum zurückgreifen können. Nicht zuletzt nehmen sie ihre verfügbaren Kontakte weniger in Anspruch als männliche Gründer.

Wie können Female Founders in Deutschland gestärkt werden?

Hinsichtlich dieser Herausforderungen stellt sich die Frage, was getan werden kann, um mehr erfolgreiche weibliche Gründerinnen in Deutschland hervorzubringen. Chancen und Optimierungsmöglichkeiten lassen sich in diesen Bereichen finden:

  • Mehr Frauen in Wagniskapital-Firmen: In Wagniskapital-Firmen (VCs) sind Frauen ebenfalls unterrepräsentiert. In den letzten Jahren steigt hier, wenn auch nur langsam, der Frauenanteil in Führungspositionen stetig an. Wären mehr Frauen bei diesen Kapitalgeberfirmen tätig, könnten weitere Female Founders von besserem Verständnis, weniger Vorurteilen und leichterem Zugang zu Kapital profitieren.
  • Bessere Netzwerke: Female Founders brauchen außerdem ausgeprägtere Netzwerke, wie es beispielsweise das Female Founders Network ist. Das ist wichtig, um hilfreiche Tipps, Verbindungen zu Kapitalgeber:innen und Reichweite zu bekommen.
  • Hilfsangebote: Besonders in der frühen Gründungsphase hilft es ungemein, wenn du als Female Founder Hilfsangebote in deiner Umgebung wahrnimmst. Fast jede größere Stadt hat dafür spezielle Anlaufstellen wie die Startercenter z. B. in NRW: Hier erhalten Gründer:innen eine erste Beratung zu ihrem Gründungsvorhaben und werden mit den passenden Coaches, Unternehmen und Kapitalfirmen vernetzt.
  • Politische Unterstützung: Insbesondere in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedarf es politischer Unterstützung zur Förderung erfolgreicher Gründerinnen: beispielsweise durch flexible, verfügbare und bezahlbare Kinderbetreuungsangebote.
  • Förderung an Hochschulen: Zur Vorbeugung von Ungleichheiten zwischen Gründerinnen und Gründern können bereits Hochschulen beitragen, indem sie ihren Student:innen das Thema Entrepreneurship mit spannenden Workshops, Seminaren oder Beratungsstunden näherbringen. In diesem Zuge hätten sie die Chance, sich früh ein gutes Netzwerk aufzubauen und Expertise zu erlangen. Dazu gehört auch, dass man vermeintlich männerdominierte Studienfächer wie Informatik oder Wirtschaft für Frauen attraktiver und zugänglicher gestaltet.
Unser Tipp

Existenzgründerseminare und Fachwissen von Vorteil

Die Teilnahme an Existenzgründerseminaren bringt Female Founders ebenfalls viele Vorteile. Auf diese Weise erwirbst du Wissen, und kannst dich gleichzeitig mit Experten austauschen. So erhältst du fachspezifisches Know-how zum Start in die Selbständigkeit und informierst dich beispielsweise über betriebswirtschaftliche Fragestellungen, zum Beispiel zum Thema Businessplan. Auch juristische und steuerliche Themen kannst du ansprechen.

Beispiele für erfolgreiche Female Founders

Da es Frauen mitunter an weiblichen Vorbildern fehlt, um mit einem eigenen Start-up durchzustarten, möchten wir dir Inspiration liefern. Wir haben vier Beispiele von Female Founders, die sich zahlreichen Herausforderungen stellten, um ihren Traum wahrwerden zu lassen. Das Besondere an den folgenden Female Founders ist, dass sie alle unsere Super Startup Adventure Camps besucht und gemeinsam mit LEXROCKET ihre Karriere angekurbelt haben:

  • Nicole von Wild Baboon: In ihrem Auslandssemester in Mexiko lernte Nicole alles über die Wirkungskraft der Pflanze Aloe Vera und entschied sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland dazu, einen Bio-Aloe Vera-Direktsaft sowie Bio Aloe-Vera-Geld herzustellen – mit ihrer eigenen Marke Wild Baboon. Nachhaltigkeit, hohe Qualität und eine Bio-Zertifizierung zeichnen die Produkte aus, die sie inzwischen unter anderem in zahlreichen Kosmetikstudios, Wellnesshotels und Bio-Läden sowie in ihrem eigenen Online-Shop vertreibt. Aber lies selbst von Nicis Geschichte.
Porträt von Nicole Borek, Gründerin von Wild Baboon
Nicole Borek, Gründerin von Wild Baboon
  • Madeleine von Raketenstart: Madeleine hat es sich zur Aufgabe gemacht, anderen Gründer:innen bei ihren rechtlichen Herausforderungen zu helfen. Auf Raketenstart bekommst du digitalen Zugang zu Inhalten, Tools und Anwält:innen, die dich vor und während der Gründung unterstützen.
  • Michelle von botfriends: Als Michelle beim Super Startup Adventure Camp mitmachte, gab es bereits erste Pilotkund:innen. Inzwischen hat sie unter anderem ihre eigene Chatbot-Technologie veröffentlicht und ein Investment in Höhe von 20 Millionen Euro erhalten. Mithilfe von botfriends können Unternehmen eigene Chatbots und Sprachassistenten bauen und optimieren. Das nutzen unter anderem Firmen wie Telekom und Porsche.
  • Rebecca von nomoo: Vegan, natürlich und bio – damit wirbt das vegane Eis-Start-up nomoo. Mit über zehn Sorten hat es Rebecca zusammen mit ihrem Team geschafft, sich deutschlandweit im Einzelhandel und bei diversen digitalen Anbieter:innen zu positionieren. Ihr Eis setzt sich dadurch von den Mitbewerber:innen ab, da es keine Kuhmilch (= no moo), Zucker und künstliche Zusatzstoffe beinhaltet und dabei nicht an Geschmack und Aromen einspart.
Unser Tipp

Start-up Camps als Inspiration

Kennst du schon unsere Super Startup Adventure Camps? Zweimal im Jahr haben fünf Gründer:innen die Chance, sich an einem coolen Ort in der Welt mit anderen Gründer:innen zu vernetzen und von erfahrenen Mentor:innen und Coaches zu lernen. Bewirb dich jetzt für das nächste Camp von LEXROCKET!

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