Gesellschaftsvertrag: Wann du ihn brauchst und welche Inhalte wichtig sind

Ein Gesellschaftsvertrag ist nicht immer zwingend notwendig, wenn du dich selbstständig machen willst. Tatsächlich ist es abhängig von der Rechtsform, ob du zur Erstellung verpflichtet bist oder nicht. Trotzdem empfehlen wir dir, auf jeden Fall einen Gesellschaftsvertrag aufzusetzen, - auch dann, wenn er nur optional für die Firmengründung ist. Denn mit diesem Schriftstück bist du im Fall der Fälle rechtlich auf der sicheren Seite. Zudem ist er äußerst hilfreich, wenn dein Unternehmen aus mehreren Gesellschafter:innen besteht. So könnt ihr die Rahmenbedingungen von Anfang an festlegen. diesem Ratgeber erklären wir die, warum ein Gesellschaftsvertrag so wichtig ist und auf welche Bestandteile du auf keinen Fall verzichten darfst.

Was ist ein Gesellschaftsvertrag?

Im Grunde handelt es sich hierbei um nichts anderes als die rechtlichen Rahmenbedingungen für dein Unternehmen. Per Definition fungiert der Gesellschaftsvertrag als Satzung oder Statuten, die als Grundlage für das weitere Agieren dienen. Vereinfacht ausgedrückt: Deine Gesellschafter:innen und du legen im Vorfeld alle wesentlichen Faktoren fest, welche euer Handeln, eure Rechte und Pflichten sowie die einzelnen Bedingungen eurer Firma beinhalten. Allerdings kannst du den Inhalt nicht gänzlich frei wählen. Bestimmte Punkte sind gesetzlich vorgeschrieben.

Info

Achtung: Ein Gesellschaftervertrag ist kein Geschäftsführervertrag!

Ein Geschäftsführervertrag wird erstellt, um die Rechte und Pflichten des Geschäftsführers bzw. der Geschäftsführer schriftlich festzuhalten. Dazu gehören unter anderem:

  • Entscheidungsbefugnisse
  • Zustimmungspflichtige Geschäfte
  • Haftungen
  • Verantwortlichkeiten
  • Ein Geschäftsführervertrag wird zusätzlich zu einem Gesellschaftsvertrag erstellt und ersetzt diesen nicht.

    Wer braucht einen Gesellschaftsvertrag?

    Für bestimmte Rechtsformen ist ein Gesellschaftsvertrag gesetzlich verpflichtend:

    Eine Übersicht zu Rechtsformen von Unternehmen haben wir Ihnen in einem gesonderten Ratgeber zusammengefasst.

    Ein Gesellschaftsvertrag ist bei den oben genannten Unternehmensformen verpflichtend, da diese sonst nicht entstehen dürfen. Hinzu kommen diverse Vorschriften den Inhalt betreffend, die du einhalten musst.

    Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften ist bei Personengesellschaften eine mündliche Vereinbarung normalerweise ausreichend. Wir empfehlen jedoch immer, alle Inhalte in einem formfreien Gesellschaftsvertrag festzuhalten.

    Warum ist ein Gesellschaftsvertrag sinnvoll?

    Im Grunde ist er bei jeder Rechtsform sinnvoll – ob vorgeschrieben oder nicht. Denn in diesem hältst du alle Rechte und Pflichten der einzelnen Gesellschafter:innen fest. Durch einen Gesellschaftsvertrag senkst du das Konfliktpotential auf ein Minimum. Zudem werden bereits bei der Erstellung alle Interesse der einzelnen Beteiligten berücksichtigt. Konkrete Regelungen sind immer vorteilhaft, um eine reibungslose Zusammenarbeit zu gewährleisten. Hinzu kommt, dass du verhinderst, dass Gesellschafter:innen plötzlich Pflichten erfüllen müssen, die vorab nicht vereinbart waren. Achtung: Ohne einen Gesellschaftsvertrag bist du an die Gesetzesregelungen gebunden, die der Gesetzgeber:innen vorgibt. Diese decken nicht alle Sachverhalte ab, die für dich von Interesse hin.

    Formvorschriften eines Gesellschaftsvertrags

    Wie bereits erwähnt, bist du inhaltlich an bestimmte Vorgaben gebunden. Für eine GmbH findest du diese beispielsweise in § 3 GmbHG. Diese dienen dazu, alle Eventualitäten rechtswirksam abzudecken. Zu den grundlegenden Inhalten des Gesellschaftsvertrags (unabhängig von der gewählten Rechtsform) gehören beispielsweise:

    • Zweck bzw. Geschäftsfeld
    • Sitz
    • Name
    • Dauer
    • Einlagen- und Anteilshöhe der Gesellschafter
    • Geschäftsführung
    • Stimmrecht
    • Gründe für eine Auflösung
    • Regelungen für Nachfolge und Todesfall

    Aus diesem Grund ist es wichtig, dass bei der Erstellung des Gesellschaftsvertrags alle relevanten Informationen vorliegen: Wer beteiligt sich an der Firma und wie hoch ist das jeweilige Stammkapital. Ebenso wichtig ist es, einen Firmennamen zu finden, den du eintragen kannst.

    Unterschiede zwischen den Rechtsformen

    Je nach Rechtsform gilt es bestimmte Vorschriften im Gesellschaftsvertrag inhaltlich umzusetzen:

    1. Gesellschaftsvertrag einer GmbH:

    • Geschäftszweck
    • Firmensitz
    • Stammkapital
    • Geschäftsanteile

    2. Gesellschaftsvertrag einer OHG, GbR oder KG:

    Hierbei handelt es sich um Personengesellschaften. Ein mündlicher Vertrag reicht vollkommen aus. Du bist zudem an keine Formvorschriften gebunden.

    3. Gesellschaftsvertrag einer AG:

    • Gründerangaben
    • Geschäftszweck
    • Firmensitz
    • Grundkapital
    • Stückaktien
    • Aktiengattungen
    • Regelungen bezüglich der Ausstellung der Aktien
    • Informationen zur Hauptversammlung, zum Vorstand und Aufsichtsrat
    • Vorstandsmitglieder
    • Bekanntmachungsform

    Optionale Bestandteile

    Zu folgenden Inhalten bist du in einem Gesellschaftsvertrag zwar nicht verpflichtet. Um Konfliktpotential zu reduzieren, können sie aber durchaus sinnvoll sein:

    • Verteilung der Gewinne
    • Vorabentnahme der Gesellschafter:innen
    • Arbeitsleistung sowie Urlaub der Gesellschafter:innen
    • Regelungen Krankheits- oder Todesfall
    • Befugnisse
    • Geschäftsführung
    • Mehrheiten für Beschlüsse
    • Kündigung des Gesellschaftsvertrags und Folgen
    • Aufteilung und Regelung bezüglich der Entscheidungsgewalt
    • Organe der Gesellschaft
    • Befugnisse des Geschäftsführers oder der Geschäftsführerin/ der Geschäftsführer:innen
    • Aufgaben der einzelnen Gesellschafter:innen
    • Anteilsübertragungen
    • Gewinnverteilung
    • Sonderrechte
    • Abfindungen
    • Ausschluss eines Gesellschafters/ einer Gesellschafterin
    • Geschäftsjahr
    • Regelungen Gesellschafterversammlung
    • Regelungen Jahresabschluss
    • Vorgehen Kündigung oder Tod eines Gesellschafters / einer Gesellschafterin
    • Verschwiegenheitsverpflichtung
    • Buchführung und Bilanzierung
    • Dauer der Gesellschaft
    • Erbfolge

    Es macht durchaus Sinn, einzelne Aspekte bereits im Vorfeld zu klären. So können die Gesellschafter:innen und du im Falle des Falles auf die beschlossenen Punkte im Gesellschaftsvertrag verweisen und habt direkt eine Anleitung zum weiteren Vorgehen.

    Gesellschaftsvertrag: Muster und Vorlagen

    Für Rechtsformen wie die GmbH oder die UG gibt es Musterprotokolle vom Bund. Diese können einen Gesellschaftsvertrag ersetzen, sind jedoch nicht individuell anpassbar. Du solltest dir daher genau überlegen, ob du die Vorlage nutzen oder eine eigene Satzung entwerfen willst. Die Vorteile des Musterprotokolls liegen natürlich auf der Hand: Du hast weniger Arbeit, geringere Kosten und bist auf der sicheren Seite. Gleichzeitig ist aber keinerlei Flexibilität gegeben. Wenn du auf die einzelnen Bedürfnisse deiner Gesellschafter:innen eingehen möchtest, empfehlen wir dir immer, zusammen mit einem Anwalt oder einer Anwältin einen Gesellschaftsvertrag aufzusetzen, auch wenn die Kosten dadurch höher ausfallen.

    Info

    Achtung bei gemeinnützigen Rechtsformen

    Musterprotokolle darfst du nicht bei gemeinnützigen Rechtsformen verwenden. In den Vorlagen ist der gemeinnützige Aspekt nämlich nicht aufgenommen. Dieser ist aber wichtig, wenn du einen Gesellschaftsvertrag für eine gemeinnützige Organisation erstellst.

    Kosten eines Gesellschaftsvertrags

    Sofern die Gesellschafter:innen und du selbst einen Gesellschaftsvertrag erstellt, kostet euch der Entwurf zunächst nichts. Ausgaben kommen erst auf dich bzw. euch zu, wenn du einen Anwalt hinzuziehst –was wir sehr empfehlen. Hinzu kommen ansonsten lediglich die Kosten für den Eintrag ins Handelsregister.

    Ist es möglich, Änderungen an einem Gesellschaftsvertrag vorzunehmen?

    Ja. Jedoch ist dies je nach Rechtsform nicht ganz einfach. Bei einer Ein-Personen-GmbH ist es denkbar einfach, da du der oder die alleinige Eigentümer:in des Unternehmens bist. Sofern die Änderungen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, sind sie problemlos möglich. Denk nur daran, dass ein Gesellschaftsvertrag durch einen Notar oder eine Notarin beglaubigt und beurkundet werden muss – dies ist ebenfalls bei Änderungen der Fall.

    Doch warum sollte es zu einer Änderung des Gesellschaftsvertrags kommen? Gründe gibt es viele:

    1. Ein:e neue:r Gesellschafter:in will in die Firma einsteigen.

    2. Das Stammkapital ändert sich und es kommt zu einer Kapitalerhöhung.

    3. Der Firmensitz wird verlagert oder der Geschäftszweck ändert sich.

    Wichtig ist, dass du den Gesellschaftsvertrag nicht einfach selbstständig ändern kannst, sofern es sich nicht um ein Einzelunternehmen handelt. Eine Gesellschafterversammlung ist hierfür notwendig ebenso wie dessen Zustimmung und die notwendige Mehrheit. Zudem haben Änderungen zur Folge, dass du die Neuerungen im Gesellschaftsvertrag auch im Handelsregister angeben musst.

    Wichtig ist, dass Änderungen von allen Beteiligten vorgenommen werden müssen, die bei der ursprünglichen Erstellung des Gesellschaftsvertrags ebenfalls beteiligt waren. Aus diesem Grund empfiehlt sich eine Mehrheitsklausel. Diese erleichtert das Abändern ungemein.

    Diese Fehler solltest du bei einem Gesellschaftsvertrag vermeiden

    1. Klauseln:

    Es ist immer ratsam, bestimmte Klauseln aufzunehmen. Beispielsfeile für einen Todesfall, fürs Ausscheiden eines Gesellschafters oder für Abfindungen. Hier solltest du die Devise vertreten, dass Vorsicht besser ist als Nachsicht. Lieber im Vorfeld alle Rahmenbedingungen klären, als dass du im Ernstfall vor dem Problem stehst, dass du nichts festgelegt hast.

    2. Anwalt:

    Ein Gesellschaftsvertrag muss notariell beglaubigt werden. Sollte dieser unwirksame Klauseln oder Angaben enthalten, wird er abgelehnt. Aus diesem Grund solltest du immer einen Experten bzw. eine Expterin bei der Erstellung zu Rate ziehen, damit der Gesellschaftsvertrag auch rechtswirksam ist. Ist der Vertrag nämlich nichtig, gehst du ein hohes Haftungsrisiko ein.

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