Gewerbe anmelden für dein Startup

Du spielst schon länger mit dem Gedanken, als Selbstständige:r durchzustarten. Dass hiermit eine Gewerbeanmeldung zusammenhängt, hast du schon öfter gehört. Was es damit konkret auf sich hat, weißt du aber trotzdem nicht genau? Keine Sorge: Die Anmeldung für ein Gewerbe ist gar nicht so schwer. Wir geben dir eine Checkliste an die Hand, damit du dein Gewerbe richtig anmeldest.

Wer muss ein Gewerbe anmelden?

Damit du ein Einzelunternehmen gründen kannst, musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Es kommt darauf an, welche Art der Selbstständigkeit du ausführst. Hierbei musst du zwischen freiberuflicher und gewerbetreibender Selbstständigkeit unterscheiden.

Freiberufler:innen müssen kein Gewerbe anmelden

Du bist Freiberufler:in, wenn bestimmte Kriterien auf deine Tätigkeit zutreffen oder du einen bestimmten Beruf ausübst:

  • Berufe im künstlerischen, schriftstellerischen, wissenschaftlichen, unterrichtenden oder erzieherischen Bereich.
  • Medizinischer Berufe: Arzt und Ärztin, Zahnarzt oder Zahnärztin, Tierarzt oder Tierärztin.
  • Heilberufe: Physiotherapeut:in, Heilpraktiker:in o.ä.
  • Beratende/juristische Berufe: Notar:in, Anwalt:in, Steuerberater:in, Wirtschaftsprüfer:in o.ä.
  • Weitere: Ingenieur:in, Architekt:in

Trifft eines dieser Merkmale auf dich zu, musst du kein Gewerbe anmelden. Gesetzlich sich freiberufliche Tätigkeiten im Einkommensteuergesetz § 18 EstG definiert.

Kriterien für ein Gewerbe

Damit du dich als Gewerbetreibende:r einordnen kannst, musst du als Gründer:in folgende Kriterien erfüllen:

  • Du führst eine eigenständige Tätigkeit aus.
  • Deine Tätigkeit ist auf Dauer angelegt.
  • Es besteht die Absicht der Gewinnerzielung.

Das gilt für:

  • Gastronomiebetreiber:in
  • Ladenbesitzer:in, (Einzel-) Händler:in
  • selbstständige Handwerker:in
  • Hersteller:in und Produzent:innen

Die gesetzlichen Grundlagen findest du im Einkommensteuergesetz § 15 (EstG) und in der Gewerbeordnung § 14 (GewO).

Info

Kriterien für die Anmeldung und Ausnahmen

Ab wann muss man ein Gewerbe anmelden? Sobald du die oben genannten Kriterien erfüllst, musst du ein Gewerbe anmelden. Freibetrag, Umsatzgrenze, oder Nebengewerbe bzw. Kleingewerbe (Kleinunternehmer) sind erst einmal außen vor. Sobald du eine Beschäftigung ausführst, die den gewerblichen Attributen entspricht, musst du dich als Gewerbetreibender registrieren. Du darfst die Anmeldung zu jedem Zeitpunkt des Jahres durchführen.

Welche Rechtsformen müssen ein Gewerbe anmelden?

Die Kriterien, die grundsätzlich für die Definition eines Gewerbes gelten, treffen auch auf alle anderen Rechtsformen von Unternehmen zu. Egal, ob es sich bei deiner Unternehmensform um eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft handelt: ein Gewerbe beantragen musst du in jedem Fall.

Anmeldung bei der Industrie- und Handelskammer

Du hast für dich geklärt, dass deine Tätigkeit in den Bereich des Gewerbes fällt. Informiere dich im zweiten Schritt bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), ob du als Gründer für eine Gewerbeerlaubnis besondere Genehmigungen oder Zulassungen brauchst. Dies ist zum Beispiel im Gastronomiebereich die Hygiene- und Gesundheitsbelehrung, die du vom Gesundheitsamt erhältst.

Unser Tipp

Meldung bei den Behörden

Bist du dabei einen Handwerksbetrieb zu gründen, musst du dich neben der IHK auch noch bei weiteren Behörden anmelden: Als Selbstständiger bist du dazu verpflichtet, dich mit deinem Gewerbe bei der IHK anzumelden und dort auch Mitglied zu sein. Außerdem bei der Handwerkskammer (HWK), der Berufsgenossenschaft (BG) und der Handwerksrolle.

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Diese Dokumente musst du zusammen haben

Im nächsten Schritt musst du einige Unterlagen zusammensuchen, um dein Gewerbe ordnungsgemäß anzumelden.

  • Gültiger Personalausweis
  • Alle notwendigen Genehmigungen und Zulassungen
  • Handwerkskarte: Diese benötigst du, wenn du einen Handwerksbetrieb gründen willst. Du erhältst diese, wenn du dich in der Handwerksrolle registrierst.
  • Gewerbekarte: Diese brauchst du bei einem handwerksähnlichen Betrieb.
  • Handelsregisterauszug: dieser ist fällig, wenn du dein Gewerbe auch im Handelsregister anmelden musst.
  • Führungszeugnis/Auskunft des Gewerbezentralregisters
  • Formular zur Gewerbeanmeldung: Dies ist natürlich das wichtigste Dokument. Du findest es entweder im Internet auf der zentralen Seite zur Gewerbeanmeldung, oder du holst es dir bei dementsprechenden Amt, wo du dein Unternehmen anmelden willst. Hauptsächlich machst du hier Angaben zu deiner Person und zu deinem Betrieb. Das Formular macht dich auf die gesetzliche Grundlage mit den Paragrafen 14 und 55c der Gewerbeordnung (GewO) aufmerksam.

Bist du dir bei manchen Sachen unsicher, hole dir im Voraus Beratung. Rufe bei der jeweiligen Behörde an und informiere dich umfassend. Hilft dir das nicht weiter, halte mit anderen Ämtern Rücksprache oder nimm eine Beratung bei einem Steuerberater:in in Anspruch.

Info

Anmeldung bei der Stadt oder Gemeinde

Wo melde ich mein Gewerbe an? Dein Gewerbe meldest du immer in der Stadt oder in der Gemeinde an, wo sich deine Werkstatt, dein Laden, deine Büroräume etc. befindet. Hier gehst du zum zuständigen Gewerbeamt. Die Gewerbeanmeldung hat nichts mit deinem Wohnort zu tun.

Diese Kosten fallen an

Wenn du ein Gewerbe anmeldest, kommen auch einige Kosten auf dich zu. Bevor du mit allen notwendigen Unterlagen zum Gewerbeamt gehst, informiere dich, wie hoch die Gebühr für den Gewerbeschein ist. Du meldest dich bei dem Gewerbeamt in der Gemeinde, in der sich dein Bürogebäude oder deine Werkstatt befindet. Die Kosten variieren von Gemeinde zu Gemeinde und bewegen sich zwischen 10 bis 65 Euro.

Beachte aber, dass du so ziemlich bei jedem Behördengang und für jede Bescheinigung Bearbeitungs- und Ausstellungsgebühren bezahlst. Es bleibt als nicht allein bei den maximal 65 Euro für den Gewerbeschein. Hinzu kommen:

Diese weiteren Behörden sind involviert

Nachdem du dich beim Gewerbeamt anmeldest, gehen deinen Informationen an weitere Dienststellen. Die Sachbearbeiter leiten deine Gewerbeanmeldung an das Finanzamt weiter. Vom Finanzamt erhältst du den Fragebogen, mit dem du steuerlich erfasst wirst. Hier erfährst du, wie du diesen schließlich korrekt ausfüllst.

Zudem werden benachrichtigt:

  • Die Berufsgenossenschaft
  • Das Amtsgericht
  • Das Statistisches Landesamt
  • Die Gewerbeaufsicht
  • Die Industrie- und Handelskammer
  • Die Handwerkskammer

Diese Behörden informieren dich über notwendige Formulare und über weitere Schritte.

Wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Gewerbeanmeldung

Kann ich meine Gewerbeanmeldung auch online durchführen?

Ja. Bei den meisten Gewerbeämtern kannst du dein Unternehmen auch online registrieren. Dieser Vorgang kann je nach Behörde variieren. Bei manchen Ämtern musst du neben der Online-Anmeldung bestimmte Dokumente noch per Post übermitteln. Die notwendigen Informationen erhältst du auf der Webseite des jeweiligen Amtes. Die erforderlichen Unterlagen gleichen sich mit den oben gelisteten Dokumenten. Die Online-Registrierung bringt Vorteile mit sich. Du sparst dir Zeit, da du nicht zu jedem Behördengang antreten musst, was durchaus mit Wartezeiten verbunden sein kann.

Muss ich als Kleinunternehmer ein Gewerbe anmelden?

Ja, auch als Kleinunternehmer musst du dich beim Gewerbeamt melden, wenn du gewerblich tätig bist. Als Kleingewerbe gilt dein Unternehmen, wenn du die Kleinunternehmerregelung des Umsatzsteuergesetzes nutzt. Diese gilt, wenn: Jahresgewinn im laufenden Geschäftsjahr bei weniger als 50.000 Euro liegt und der Umsatz im Vorjahr weniger als 22.000 Euro beträgt.Anstatt für den Begriff Kleingewerbe liest du oft auch die Bezeichnungen Kleinunternehmen oder Kleinunternehmer. Im Grunde beziehen sich alle drei Fachwörter auf das gleiche Prinzip, dass du die Umsatz- bzw. Gewinngrenze im Sinne der Kleinunternehmerregelung einhältst. Ein Kleingewerbe anmelden ist ebenfalls mit Richtlinien verbunden.

Kann ich den Ehepartner auf mein Gewerbe anmelden?

Sobald du als Einzelunternehmer deinen Ehepartner/deine Ehepartnerin mit auf dein Gewerbe anmeldest, findet eine Gewerbeerweiterung deines bestehenden Gewerbes statt. Da hier praktisch zwei Gesellschafter vorliegen, wandelt sich dein Einzelunternehmen in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) um. Diese Erweiterung trifft auf das gleiche Unternehmen, den gleichen Standort und dieselbe Tätigkeit zu. Dein Ehepartner/deine Ehepartnerin erhält aber einen eigenen Gewerbeschein.

Darf ich zwei Gewerbe anmelden?

Ja, laut Gewerbeordnung § 3 hast du die Erlaubnis, 2 oder mehrere Gewerbe nebeneinander zu führen. Nimmst du zu deiner ersten gewerblichen Tätigkeit weitere Waren oder Dienstleistungen auf, musst du hierfür auch weitere Gewerbe anmelden bzw. das Bestehende ummelden. Sobald du dein existierendes Gewerbe mit neuen Produkten oder Dienstleistungen ergänzt, verpflichtet der Gesetzgeber zu einer weiteren Gewerbeanmeldung.

Muss ich ein Gewerbenebenberuflich anmelden?

Ja, wenn du dich nebenberuflich selbstständig machen willst, musst du, ein Nebengewerbe anmelden. Diese Anmeldung erfolgt mit den erforderlichen Schritten wie bei einem hauptberuflichen Gewerbe. Für ein Nebengewerbe musst du bestimmte Voraussetzungen und Kriterien erfüllen.

  • Du gehst einer hauptberuflichen Tätigkeit nach. Diese steht an erster Stelle.
  • Dein Einkommen und deine Arbeitszeit sind weniger bzw. kürzer als im Vergleich zur Hauptbeschäftigung. Laut Krankenkasse darfst du für dein Nebengewerbe nur 18 Stunden in der Woche arbeiten.
  • Dein:e Arbeitgeber:in muss deinem Nebengewerbe einwilligen.
  • Mit einem Nebengewerbe läuft deine Sozialversicherung über deine Hauptbeschäftigung weiter.
  • Du musst deine Krankenkasse über dein Nebengewerbe informieren.
  • Bei deiner Steuererklärung musst du die Einnahmen deines Nebengewerbes unter „Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit“ eintragen.

Kann ich ein Gewerbe rückwirkend anmelden?

Ja, du darfst dein Gewerbe auch rückwirkend anmelden. In § 14 der Gewerbeordnung ist der zeitliche Anmeldetermin genau festgelegt. Wenn dein Anmeldetermin nicht zu weit zurückliegt, sind viele Gewerbeämter kulant. Dir passiert nichts, wenn es sich nur um wenige Tage handelt. Verstreichen mehrere Wochen (maximal 60 Wochen), musst du im Extremfall ein Bußgeld zwischen 1000 und 3.600 Euro bezahlen. Hast du dein Gewerbe nicht fristgerecht angemeldet, begehst du eine Ordnungswidrigkeit.

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