Handwerksbetrieb gründen: In 7 Schritten zum Erfolg

Du bist ein guter Handwerker mit Meisterbrief und willst mit deinem eigenen Startup durchstarten? Doch welche Bedingungen musst du bei der Gründung eines handwerklich orientierten Unternehmens erfüllen und welche Anforderungen kommen noch auf dich zu? Im Folgenden erhältst du von LEXROCKET einen Leitfaden, um erfolgreich deinen neuen Handwerksbetrieb zu gründen.

# 1: Kläre Voraussetzungen

Zur Firmengründung im Handwerk musst du einige Grundvoraussetzungen klären. Willst du dich als Handwerker:in selbstständig machen, musst du in erster Linie vor der Existenzgründung definieren, ob deine Tätigkeit zulassungsfrei oder zulassungspflichtig ist.

Bei einem zulassungspflichtigen Handwerk musst du als Voraussetzung die Meisterpflicht erfüllen. Hierfür gelten bestimmte Kriterien:

  • Meisterprüfung: Du darfst dieses Handwerk nur dann ausüben, wenn du hierzu die Meisterprüfung abgelegt hast.
  • Meisterbrief: Er ist ein Zeugnis, das über deine handwerklichen Qualifikationen Aufschluss gibt. Hiermit bist du berechtigt, das Handwerk auszuführen.
  • Handwerksrolle: Besteht für dein Handwerk die Meisterpflicht, musst du dich zudem in der Handwerksrolle registrieren.

Bei einem zulassungsfreien Handwerk gelten diese Kriterien nicht. Als zulassungsfreie:r Handwerker:in musst du dein Startup allerdings gleich zu Beginn bei der Handwerkskammer anmelden.

Handwerkbetrieb gründen ohne Meister?

Willst du einen Handwerksbetrieb ohne Meisterbrief gründen, kannst du den Meisterzwang auch vermeiden. Hierfür gibt es seit 2004 eine Sonderregelung. Diese ist gesetzlich in der Handwerksordnung (HwO) § 7b und 8 festgelegt. Dabei musst du folgende Kriterien erfüllen:

  • Du hast nach der Gesellenprüfung mindesten sechs Jahre Berufserfahrung gesammelt.
  • Du warst mindestens vier Jahre lang leitende:r Angestellte:r. In dieser Position hast du wichtige Entscheidungen getroffen und entsprechende Leistungen erbracht. Diese Bedingungen sind auch als Altgesellenregelung bekannt.
  • Dein Mitarbeiter, den du als Betriebsleiter anstellst, hat einen Meisterbrief.

Als Ingenieur:in einen Handwerksbetrieb gründen?

Laut Handwerksordnung ist dein Abschluss als Diplom-Ingenieur:in mit der Meisterprüfung gleichzusetzen. Bist du selbst Diplom-Ingenieur:in oder Ingenieur:in mit Master-Abschluss kannst du dich also mit deinem Handwerk in die Handwerksrolle eintragen. Dieses Recht hast du auch mit einer anderen, in Deutschland gleichwertig staatlich anerkannten Qualifikation. Du musst lediglich die Voraussetzung erfüllen und nachweisen, dass dein Studienschwerpunkt und deine Abschlussprüfung dem Handwerk entsprechen, das du einträgst. Im Idealfall kannst du mit deinem Studium und der Abschlussprüfung einen praktischen Schwerpunkt nachweisen.

# 2: Führe eine Marktanalyse durch

Deine Entscheidung, eine selbstständige Handwerksfirma zu gründen, beinhaltet auch einige Risiken. Damit du Unsicherheiten vermeidest und deinen Handwerkbetrieb erfolgreich gründest, musst du einige Schritte in Richtung Marktforschung gehen. Als Handwerker:in arbeitest du überwiegend in der Region. Auch deine Konkurrenz arbeitet in der nähren Umgebung, weshalb der Wettbewerb um Kund:innen sehr hoch ist. Die regionale Auftragslage ist für deinen neuen Handwerksbetrieb sehr entscheidend.

Untersuche vorher diese drei Aspekte:

  • Zielgruppe: Untersuche, wie groß die Zielgruppe ist, die du erreichen willst.
  • Bedarf: Wie hoch ist der Bedarf für dein Handwerk? Gibt es viele Menschen, die von deinem Handwerk Gebrauch machen, aber wenige Mitbewerber, die dieses Handwerk ausführen?
  • Konkurrenz: Prüfe, wie viele Handwerksbetriebe es in dieser Branche gibt. Recherchiere hierzu im Telefonbuch, in Branchenbüchern oder im Internet.

# 3: Erstelle einen Businessplan

Um ein souveränes Handwerksunternehmen zu gründen, erstellst du in einem dritten Schritt einen Businessplan für dein Startup. Du selbst kennst deinen Betrieb am besten. Erstelle deshalb auch deinen Businessplan eigenständig, damit du integrierst, was für dich wichtig ist.

Info

Kosten für die Gründung berücksichtigen

Es fallen viele Kosten an, wenn du einen Handwerksbetrieb gründest. Du schreibst den Businessplan einerseits für dich, andererseits schreibst du den Plan für Investoren, die du für die Förderung deines Handwerksbetriebs brauchst.

Beachte bei der Erstellung deines Businessplans folgende Punkte:

Geschäftsidee vorstellen
  • Du stellst die Geschäftsführer, Gründerteam und dein Handwerk vor. Was macht dein Betrieb?
  • Einzigartigkeit: Was unterscheidet dich von der Konkurrenz?
  • Ist deine Geschäftsidee wirtschaftlich rentabel?
Unternehmensstruktur

Zeige die Organisation deines Betriebs auf: Wie ist dein Handwerksbetrieb aufgebaut? Wer sind deine Mitarbeiter?

Marketing & Vertrieb
  • Wie vermarktest du deine Firma?
  • Wie präsentierst du dich Kunden?
  • Wer zieht neue Kunden an?
  • Wer sind deine Kunden?
  • Wer interessiert sich bzw. benötigt dein Handwerk?
Strategie & Ziele

Was sind die wichtigsten Realisierungsschritte?

Marktanalyse

Führe eine Wettbewerbsanalyse durch:

  • Wie ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage? Wie groß ist die Konkurrenz?
  • Wie ist der Wettbewerb auf dem Markt?
  • Wie hoch ist dein Startkapital?
  • Wie viel Eigenkapital bringst du mit?
  • Hast du Fremdkapital zur Unterstützung?
  • Wie hoch sind deine Investitionen?
  • Welche Fördermittel stehen zur Verfügung?
  • Wie gelingt deine Unternehmensfinanzierung?
Chancen und Risiken

Welche Erfolgsaussichten hat dein Betrieb bzw. welche Unsicherheiten kannst du einschätzen?

Unternehmensentwicklung

Wie sind die Aussichten, dass sich deine Firma erfolgreich entwickelt?

# 4: Wähle eine Rechtsform

Entscheide dich für eine Rechtsform, nachdem du den Businessplan erstellt hast. Ermittle, welche Rechtsformen für dein Unternehmen in Frage kommen. Ziehe zur Beratung einen Steuerberater hinzu. Folgende Aspekte sind für deine Entscheidung wichtig:

  • Höhe des Eigenkapitals
  • Persönliche Haftung
  • Anzahl der Gründer:innen

Gründest du deinen Handwerksbetrieb als Einzelunternehmer, bist du gewerblich tätig, da du:

  • eine selbstständige Tätigkeit ausführst.
  • die Gewinnerzielung beabsichtigst.
  • deine Tätigkeit auf Dauer anlegst.
Info

Uneingeschränkte Haftung als Gewerbetreibender

Als (Klein-)Gewerbetreibender haftest du uneingeschränkt mit deinem Privatvermögen.

Weitere Rechtsformen sind:

Personengesellschaften (GbR, OHG, KG):

  • mindestens zwei oder mehr Gründer (= Gesellschafter)
  • haften uneingeschränkt mit ihrem Privatvermögen
  • kein Mindestvermögen notwendig
  • Gewerbeanmeldung

Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG, KGaA):

  • Gesellschafter haften nicht mit ihrem Privatvermögen
  • nur eingeschränkte Haftung
  • Mindestkapital für die Gründung erforderlich
  • Eintrag ins Handelsregister

# 5: Melde dein Gewerbe bei Behörden an

IHK und HWK:

Die Eintragung sowohl in Industrie- und Handelskammer (IHK) als auch in Handwerkskammer (HWK) ist Pflicht.

Berufsgenossenschaft:

Als Gründer eines Handwerkbetriebs musst du deine Firma ebenfalls bei der Berufsgenossenschaft (BG) erfassen lassen.

Handwerksrolle:

Die Handwerksrolle führt eine Liste einerseits für alle zulassungsfreien und handwerksähnlichen Berufe, andererseits für alle zulassungspflichtigen Handwerksberufe. Bei der HWK musst du für die Registrierung in der Handwerksrolle eine Gebühr entrichten.

Gewerbeamt:

Hast du dich für eine passende Rechtsform entschieden, musst du für dein Handwerk eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt durchführen. Das Finanzamt schickt dem Gewerbeamt alle notwendigen Unterlagen zu.

# 6: Versichere dich und deinen Handwerksbetrieb

Als selbstständige:r Handwerker:in musst du dich eigenständig versichern. Gemäß deutscher Rechtlage bist du zu einer Kranken- und Rentenversicherung verpflichtet. Schließe zudem weitere Versicherungen für dein Unternehmen ab, um persönliche und unternehmerische Risiken zu reduzieren. Die wichtigsten Versicherungen sind für dich:

  • Krankentagegeldversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Unfallversicherung
  • Erwerbsminderungs- oder Berufsunfähigkeitsversicherung

# 7: Statte dein Unternehmen aus

Nach all den bürokratischen Schritten, die notwendig waren, um deinen Handwerksbetrieb zu gründen, musst du diesen auch vernünftig ausstatten. Als Handwerker:in benötigst du zwingend das richtige Werkzeug, um deine Arbeiten erfolgreich und genau auszuführen. Damit du – und natürlich ebenso deine Mitarbeiter – zu den Kunden bzw. Aufträgen kommst, sind betrieblich genutzte Fahrzeuge wichtig. Als Handwerker mit deiner eigenen gewerblichen Tätigkeit bietet sich eine SDH-Mitgliedschaft an. Mit einem SDH-Mitgliedsschein kannst du viel Geld sparen, wenn du Firmenautos kaufst.

Wie du siehst, musst du einige Punkte berücksichtigen, wenn du selbst einen Handwerksbetrieb gründen willst. Doch mit dem richtigen Leitfaden kannst du die erledigten Aufgaben abhaken, damit du nichts vergisst. In der Regel bekommst du auch bei jedem Behördengang Informationen, die dich auf weitere Schritte und Todos hinweisen.

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