Kleingewerbe anmelden: Das musst du beachten!

Wie und wo meldest du dein Kleingewerbe an? Ab wann musst du ein Gewerbe anmelden? Mit welchen Kosten musst du rechnen, wenn du ein Kleingewerbe gründest? Welche Vor- und Nachteile hat es, ein Kleingewerbe zu beantragen? Die Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es in diesem Artikel.

Definition: Was ist ein Kleingewerbe?

Wenn du selbstständig sowie wirtschaftlich tätig bist und Gewinn erzielen möchtest, musst du ein Gewerbe anmelden. Vorausgesetzt, du gehörst nicht zu den freien Berufen. Als Freiberufler:in musst du nämlich kein Kleingewerbe anmelden, sondern kannst als Einzelunternehmer:in ohne Gewerbe deiner Selbstständigkeit nachgehen. Für Selbstständige, die keine Freiberufler:innen sind, stellt sich aber gar nicht die Frage, ab wann sie ein Kleingewerbe brauchen. Du musst in jedem Fall ein Gewerbe oder Kleingewerbe anmelden, wenn du wirtschaftlich tätig werden willst.

Voraussetzungen für die Kleingewerbeanmeldung

Ob du ein Gewerbe oder ein Kleingewerbe anmelden musst, hängt von bestimmten Voraussetzungen und Eigenschaften deines Unternehmens ab. Der offensichtlichste Unterschied zwischen einem Kleingewerbe und einem kaufmännischen Gewerbe ist schnell erklärt: Wer ein Kleingewerbe führt, für den gelten nicht die Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB). Um ein Kleingewerbe anzumelden, musst du also kein Kaufmann bzw. Kauffrau sein.

Dabei sind einige Faktoren maßgeblich dafür, ob ein Gewerbe als Kleingewerbe zählt  – und zwar:

  • Umsatz
  • Rücklagen
  • Eventuelle Kredite
  • Umfang der Produkte, Leistungen oder allgemein der Geschäftsvorgänge
  • Anzahl der Beschäftigten und Filialen
  • Branche
Info

Umsatzgrenzen für Kleingewerbe

Als Daumenregel gilt dabei, dass Unternehmen, die mehr als 600.000 Euro Umsatz machen und/oder mehr als 60.000 Euro Gewinn pro Jahr erwirtschaften, nicht mehr als Kleingewerbe zählen.

Es bietet sich daher an, das Kleingewerbe nebenberuflich zu betreiben. So ist wahrscheinlicher, dass du die Grenzen für das Kleingewerbe nicht überschreitest. Liegen Umsatz und Gewinn nämlich über den erwähnten Grenzen, besteht die Pflicht zur doppelten Buchführung und die Buchhaltung insgesamt wird komplizierter.

Unser Tipp

Profesionelle Beratungen in Anspruch nehmen

Wenn du ein Gewerbe, Kleingewerbe oder sogar zwei Kleingewerbe anmelden möchtest, solltest du dich zum Thema Kleingewerbe beraten lassen. Je nach Branche bieten auch Industrie- und Handelskammern (IHK) oder Handwerkskammern (HWK) entsprechende Angebote an. Unter Umständen ist aber auch ein Steuerberater die richtige Anlaufstelle für dich. Das gilt besonders für nicht alltägliche Vorgänge. Zum Beispiel, wenn du das Kleingewerbe auf den Ehepartner anmelden möchtest, ein Kleingewerbe als Student gründen oder trotz Privatinsolvenz ein Kleingewerbe anmelden möchtest. Aber auch dann, wenn du dein Kleingewerbe noch nicht angemeldet hast und es rückwirkend an- oder es ummelden möchtest, solltest du zu einem Fachmann gehen. In solchen Fällen ist eine ausführliche Beratung unbedingt zu empfehlen.

Wie melde ich ein Kleingewerbe an?

Ein Kleingewerbe ist in der Regel schnell angemeldet. Denn dazu reicht es, ein Formular auszufüllen und damit das Kleingewerbe beim Gewerbeamt anzuzeigen. Wie und wo du das Formular ausfüllst, bleibt dir als Gründer:in des Kleingewerbes überlassen.

Im nächsten Schritt kannst du das Formular zur Gewerbeanmeldung des Kleingewerbes entweder persönlich beim Gewerbeamt abgeben oder per Post bzw. online versenden. Am besten du fragst dazu bei deinem zuständigen Gewerbeamt nach, ob du dein Kleingewerbe auch online anmelden kannst oder ob eine bestimmte Form gewünscht ist. Meist ist es jedoch sinnvoll, das Kleingewerbe persönlich anzumelden. So kannst du offene Fragen direkt mit einer bzw. einem Sachbearbeiter:in besprechen und kontrollieren lassen, ob du alle Unterlagen abgegeben hast, die du benötigst, um ein Kleingewerbe anzumelden.

Die Anmeldung ist auch mit Kosten verbunden, die jedoch von Stadt zu Stadt und von Landkreis zu Landkreis variieren können. Meist musst du mit Kosten zwischen 20 und 65 Euro rechnen. Im Gegenzug bekommst du dafür den lang ersehnten Gewerbeschein.

Unser Tipp

Kleingewerbe und Gewerbeschein

Auch wenn einige Kleingewerbetreibende davon sprechen, gibt es keinen kleinen Gewerbeschein oder einen speziellen Gewerbeschein fürs Kleingewerbe. Auch Kleingewerbetreibende benötigen einen ganz normalen Gewerbeschein.

Kleingewerbe beim Finanzamt anmelden: Was wird benötigt?

Nach deiner Gewerbeanmeldung informiert das Gewerbeamt einige Behörden – darunter auch das Finanzamt. Dieses wird dir daraufhin den sogenannten Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ zusenden. Füll’ den Fragebogen wahrheitsgemäß aus und schick ihn an das Finanzamt zurück. Unter Umständen erhältst du im nächsten Schritt eine neue Steuernummer. Sollte das so sein, nutzt du diese für alle Vorgänge, die mit deinem Kleingewerbe in Verbindung stehen. Andernfalls nutzt du einfach deine private Steuernummer weiter.

Kleingewerbe und Besteuerung

Wo wir gerade bei Thema Finanzamt sind: Als Kleingewerbetreibende:r musst du Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Einkommenssteuer zahlen. Jedoch gibt es einige Erleichterungen für Kleingewerbe:

  1. Umsatzsteuer: Im Prinzip bist du auch mit einem Kleingewerbe umsatzsteuerpflichtig. Wendest du jedoch die Kleinunternehmerregelung an, musst du als Kleinunternehmer:in keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen ausweisen. Übrigens: Für Kleingewerbe, die die Kleinunternehmerregelung anwenden, wird hin und wieder auch der Begriff Kleinstgewerbe oder gar Mini-Gewerbe genutzt. Lass dich davon aber nicht irritieren, wenn du ein Kleingewerbe anmelden möchtest.
  2. Gewerbesteuer: Bis zu einem Betrag von 24.500 Euro musst du keine Gewerbesteuer zahlen.
  3. Einkommenssteuer: Solltest du über dem Freibetrag für die Gewerbesteuer liegen, wird die gezahlte Gewerbesteuer mit der Einkommenssteuer verrechnet. Aber auch ohne Gewerbesteuer musst du dein Kleingewerbe in der Steuererklärung angeben. Schließlich erzielst du Einnahmen mit deinem Kleingewerbe, die du versteuern musst.

Kleingewerbe versus Kleinunternehmer – was ist der Unterschied?

Die Begriffe Kleingewerbe und Kleinunternehmen solltest du nicht verwechseln. Als Kleinunternehmer musst du ebenfalls ein Gewerbe anmelden, wenn du nicht den Freien Berufen angehörst. Die Kleinunternehmer Definition bezieht sich auf die Frage, ob du Umsatzsteuer bezahlen musst oder dich davon befreien lassen kannst. Dies ist abhängig von deinem Umsatz. Wenn dieser unter 22.000 Euro liegt, fällst du unter die Kleinunternehmerregelung und musst keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen ausweisen. Die Kleinunternehmerregelung musst du allerdings beim Finanzamt beantragen. Was dein Kleingewerbe betrifft, so solltest du auch nicht davon ausgehen, dass du automatisch von der Umsatzsteuer befreit bist  – und schon gar nicht, dass dein Gewerbe steuerfrei ist. Beantragst du die Kleinunternehmerregelung nicht, bist du auch als Kleingewerbetreibende:r umsatzsteuerpflichtig. Das kann jedoch den Vorteil haben, dass du die Vorsteuer abziehen kannst.

Kleingewerbe und die Anmeldung bei der Industrie- und Handelskammer

Zu den weiteren Voraussetzungen, um erfolgreich ein Kleingewerbe anzumelden, gehört, dass du dein Kleingewerbe bei der IHK oder der Handwerkskammer anmeldest. Für bestimmte Gewerbe besteht die Pflicht, sich dort eintragen zu lassen.

Für bestimmte Berufe benötigst du außerdem eine Erlaubnispflicht der zuständigen IHK oder Handwerkskammer und dementsprechend eine Eintragung in die entsprechenden Verzeichnisse. Für handwerkliche Meisterbetriebe ist bspw. in der Regel eine Handwerkskarte notwendig, die du nur bei der Handwerkskammer bekommen kannst. Außerdem musst du die Agentur für Arbeit und die Berufsgenossenschaft darüber informieren, dass du ein Kleingewerbe gegründet hast.

Welche Rechtsform kann ein Kleingewerbe haben?

Wer ein Kleingewerbe anmelden möchte, muss sich nur zwischen zwei Rechtsformen für Unternehmen entscheiden– nämlich diesen hier:

  1. Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
  2. Einzelunternehmen

Der Grund: Diese Rechtsformen unterliegen nicht dem Handelsrecht und müssen daher nicht im Handelsregister eingetragen werden. Das hat den weiteren Vorteil, dass ein Kleingewerbe die handelsrechtlichen Vorschriften nicht beachten muss. Außerdem macht dies die gesamte Gründung einfacher. Denn anders als bei einer Rechtsform, die dem Handelsrecht unterliegt, kann bei einem Kleingewerbe die notarielle Beurkundung entfallen. Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag bietet sich jedoch an – für den Fall, dass das Kleingewerbe von mehr als einem Gründer betrieben wird und Streitigkeiten vermieden bzw. rechtlich geregelt werden sollen.

Rechnungen schreiben als Kleingewerbe: Das musst du beachten

Als Kleingewerbetreibende:r stellst du Rechnungen wie jeder andere Unternehmer:in auch. Welche Bestandteile eine Rechnung haben muss, damit sie als rechtssicher gilt, ist im Umsatzsteuergesetz definiert. Solltest du die Kleinunternehmerregelung beim Finanzamt beantragt haben, gehört ein entsprechender Zusatz ebenfalls auf die Rechnung. Im Gegenzug darf natürlich keine Umsatzsteuer auf dieser aufgeführt sein. Wie du korrekte Rechnungen schreibst, erfährst du in unserem LEXROCKET-Artikel.

Kleingewerbe oder Gewerbe: Vorteile und Nachteile

Falls du überlegen solltest, ob sich nun ein Gewerbe oder ein Kleingewerbe eher für deine Zwecke eignet, kannst du dir die Vorteile und Nachteile in dieser Tabelle ansehen. Das sollte dir dabei helfen, zu entscheiden, ob das Kleingewerbe für deine Gründung geeignet ist.

Vorteile eines Kleingewerbes
  • Einfache Anmeldung mit geringen Kosten.
  • Buchhaltung ist recht simpel, meist genügt eine EÜR.
  • Chance auf geringere Mitgliedsbeiträge in IHK und HWK.
  • Gewerbesteuer wird kaum fällig. Hoher Freibetrag.
Nachteile eines Kleingewerbes
  • Unbeschränkte Haftung.
  • Eingeschränkte Wahl der Rechtsform.
  • Investoren sind eher zurückhaltend.
  • Grenzen im Hinblick auf Umsatz und Gewinn müssen eingehalten werden.

Kleingewerbe anmelden: Checkliste

Die wichtigsten Infos dazu, wie du ein Kleingewerbe anmeldest und was du beachten musst, wenn du ein Kleingewerbe gründen möchtest, haben wir hier noch einmal übersichtlich für dich zusammengefasst:

  1. Kümmere dich um eine Erlaubnis der Handwerkskammer oder um eine Handwerkskarte – sofern du sie für dein Gewerbe benötigst.
  2. Besorg dir das entsprechende Formular beim Gewerbeamt und füll es aus.
  3. Wenn du das Formular beim Gewerbeamt abgibst, denk’ an deinen Ausweis und an Geld, um die Kosten für die Anmeldung direkt zu begleichen.
  4. Lass dir deinen Gewerbeschein ausstellen.
  5. Sobald du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bekommst, musst du auch diesen ausfüllen und wieder ans Finanzamt zurücksenden.
  6. Solltest du Beiträge zur IHK oder HWK zahlen müssen, kannst du dich unter Umständen befreien lassen.
  7. Melde dein Kleingewerbe bei der Berufsgenossenschaft an.

mit dem Start-up in die Einhorn-Galaxie.

Das Handbuch für alle, die ein Technologie­unternehmen lieber in Monaten als Jahren skalieren.

mehr erfahren
Inhaltsverzeichnis

    Diese Themen könnten dich ebenfalls interessieren:

    Rakete Icon Lexrocket
    Rakete mit Feuer Icon