Minijob Krankenversicherung: Für wen gelten Kosten und Pflichten?

In deinem neu gegründeten Unternehmen läuft es nun schon seit einigen Monaten sehr gut und du hast ein starkes Team hinter dir, das alle Aufgaben gut erledigt. Dennoch bleiben einige Arbeiten auf der Strecke, wofür du 450-Euro-Kräfte einstellen willst. Als Arbeitgeber:in hast du bezüglich deiner Mitarbeiter:innen einiges an Bürokratie zu beachten. Da in Deutschland das Thema Versicherungen eine große Rolle spielt, musst du als Chef:in das Versicherungs-1x1 kennen. Aber nicht nur du. Auch als Arbeitnehmer:in stellt man sich die Frage, ob man bei einem 450-Euro-Job krankenversichert ist? Im folgenden Beitrag erfährst du als Arbeitgeber:in, welche Fakten zur Krankenversicherung wichtig sind.

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Buchhaltung
Entwicklungsphase
Kranker Astronaut in einem Gang, Artikelbild zu Minijob-Krankenversicherung, LEXROCKET Wissen
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Schrittweise Mindestlohnerhöhung 2022

Seit dem 1. Januar 2022 liegt der Mindestlohn bei 9,82 Euro, ab 1. Juli soll dieser auf 10,45 Euro erhöht werden. Ab dem 1. Oktober 2022 wird der Mindestlohn schließlich auf 12 Euro angehoben. Dementsprechend steigt auch die Verdienstgrenze von 450 Euro monatlich auf 520 Euro.

Welche Regelungen gelten im Allgemeinen?

Von Beginn an musst du als Gründer:in wissen, ob deine Angestellten auf Minijob-Basis krankenversicherungspflichtig sind oder nicht. Grundsätzlich gilt: Sobald du Minijobber:innen in einem Beschäftigungsverhältnis auf 450-Euro-Basis einstellst, müssen diese, wie alle Arbeitnehmer:innen, krankenversichert sein. Seit 2009 besteht in Deutschland gemäß § 193 III VVG gesetzlich die Pflicht zur Krankenversicherung. Du als Arbeitgeber:in musst aber die Kosten für die Krankenversicherung von 450-Euro-Jobber:innen nicht übernehmen. Einen Minijob ohne Krankenversicherung auszuführen ist allerdings nicht möglich. Daher sind die 450-Euro-Kräfte selbst für ihren Versicherungsschutz verantwortlich. Informiere dich weiterhin, was neben dem Wissen über die Krankenversicherung noch zu einer guten Unternehmensführung gehört.

Info

Was bedeutet die 450-Euro-Grenze?

Stellst du Minijobber:innen ein, deren Verdienst weniger als 450 Euro im Monat beträgt, musst du die Krankenversicherung nicht übernehmen. Die Arbeitnehmer:innen müssen bei einem 450-Euro-Job die Krankenversicherung selber bezahlen. Erst ab einem Einkommen, das höher ist als 451 Euro bis 1.300 Euro im Monat, musst du deine:n Arbeiternehmer:innen bei der Krankenversicherung melden und einen kleinen Betrag abführen.

Welche pauschalen Beträge müssen Arbeitgeber:innen zahlen?

Abgesehen vom Lohn, den du deinen 450-Euro-Kräften bezahlst, musst du dennoch mit einigen Versicherungskosten rechnen. Solange sich der Verdienst unter 450 Euro beläuft, zahlst du für deine Minijobber:innen zwar keine Krankenversicherung, aber Sozialversicherung.

  • Rentenversicherungspflicht: Als Arbeitgeber:in musst du deine Minijobber:innen bei der Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung registrieren. Das bedeutet, dass du Beiträge für die deutsche Rentenversicherung abführst, egal ob deine Angestellten unter oder über 450 Euro verdienen. Deine Minijobber:innen können zwar auf die Rentenversicherung verzichten, dies müssen sie jedoch in einem schriftlichen Antrag bestätigen. Du zahlst als Arbeitnehmer:in 15 % Rentenversicherung.
  • Krankenversicherung: Diese zahlst du nur dann, wenn deine Minijobber mehr als 450 Euro verdienen. Aber auch dann zahlst du nur 13 %. Für die restlichen 87 % müssen deine Arbeitnehmer:innen selbst aufkommen.
  • Pauschale Lohnsteuer: 2 %.
  • Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung: Wenn du Mitarbeiter:innen in einem Arbeitsverhältnis auf 450-Euro-Basis einstellst, zahlst du für diese Sozialversicherungsabgaben keine Beiträge.

Neben den Versicherungen ist auch das Thema Steuern für dich als Startup-Unternehmer:in immer aktuell. Verschaffte dir einen Überblick, welche Steuerarten für dein Unternehmen wichtig sind.

Diese Optionen bestehen für Beschäftige

Es gibt verschiedene Varianten, wie Arbeitnehmer:innen einer geringfügigen Beschäftigung die Krankenversicherung zahlen:

1. Die Krankenversicherung als Familienversicherung zum Minijob

Deine Angestellten auf 450-Euro-Basis müssen eigenständig keine Krankenversicherungsbeiträge zahlen, wenn sie über Eltern oder Ehepartner:in familienversichert sind. Hier musst du jedoch auch sicherstellen, dass deine Minijobber:innen die 450-Euro-Grenze nicht überschreiten.

2. Die freiwillige Krankenversicherung zum Minijob

Sind deine Beschäftigen ausschließlich auf 450-Euro-Basis angestellt, üben keinen Hauptberuf aus und sind nicht mehr Teil der Familienversicherung, müssen sie sich freiwillig bei einer Krankenversicherung melden. Dies kann entweder eine gesetzliche oder private Behörde sein. Freiwillig bezieht sich in diesem Fall auf die freie Wahl zwischen gesetzlicher oder privater Krankenversicherung.

  • Die gesetzliche Krankenversicherung zum Minijob: Entscheiden sich deine 450-Euro-Kräfte dazu, sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern, müssen sie für den gesamten Beitragssatz selbst aufkommen. Das bedeutet, dass sie sowohl den Betrag für Arbeitgeber:innen als auch für Arbeitnehmer:innen selbst bezahlen.
  • Die private Krankenversicherung zum Minijob: Für 450-Euro-Kräfte, die sich bei einer privaten Krankenkasse versichern, entfällt der Pauschalbetrag für Arbeitgeber:innen.

3. Die Krankenversicherung von Student:innen zum Minijob

Stellst du Studierende als 450-Euro-Kräfte ein, musst du berücksichtigen, wie alt diese sind. Unter 25 Jahren sind sie in der Regel mit den Eltern familienversichert. Ab 25 Jahren fallen Studierende aus der Familienversicherung heraus und sie müssen sich zu einem Student:innen-Tarif selbst versichern. Hierbei haben sie die Wahl zwischen einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung.

4. Die Krankenversicherung von Rentner:innen zum Minijob

Stellst du als Arbeitgeber:in Rentner:innen ein, läuft deren Krankenversicherung entweder weiterhin über den Rentenversicherungsträger der gesetzlichen Krankenkasse oder aber über die private Krankenversicherung, die bereits vorher bestand.

5. Die Krankenversicherung bei Kleingewerbe und 450-Euro-Job

Hast du hauptberuflich als Selbstständige:r ein Kleingewerbe angemeldet, besteht für dieses die Krankenversicherungspflicht ebenfalls. Das bedeutet, du musst dich für dieses Hauptarbeitsverhältnis selbst vollständig krankenversichern. Deine Krankenversicherung von deinem Hauptberuf gilt dann auch für den Minijob. Du hättest eventuell Anspruch auf eine Familienversicherung, wenn dein Verdienst aus beiden Einkünften weniger als 455 Euro im Monat betragen würde. Dies ist jedoch bei einem Minijob plus Kleingewerbe eher unrealistisch.

Info

Krankenversicherung Minijob-Beitrag berechnen

Wie hoch der Krankenkassenbeitrag ist, den du als Minijobber:in bei deiner Krankenversicherung zahlst, ist von der jeweiligen (gesetzlichen oder privaten) Versicherung abhängig. Die Beitragshöhe für die Krankenkasse beim Minijobber:innen kann man daher nicht pauschal festlegen. Der Versicherungsbeitrag richtet sich auch immer nach den Leistungen der Kasse. Es gibt zum Beispiel besondere Angebote von Krankenversicherungen speziell für Minijobber:innen, wie z. B. von der Knappschaft.

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