Unternehmensbeteiligungen – Basiswissen und rechtliche Grundlagen

Du bist nun seit einigen Monaten mit deinem Startup auf dem Markt und deine Geschäfte entwickeln sich gut. Dennoch überlegst du, wie du dein Unternehmenswachstum finanziell noch steigern kannst und gleichzeitig Know-How in deine Firma bringst. In diesem Fall solltest du über Unternehmensbeteiligungen nachdenken. Diese stellen eine gute Möglichkeit dar, dass dein Betrieb wächst und gleichzeitig kannst du dir kluge Wirtschaftsexpert:innen ins Haus holen. Was du sonst noch zu Unternehmensbeteiligungen wissen musst, erklären wir dir hier.

Definition: Was sind Unternehmensbeteiligungen?

Grundsätzlich handelt es sich bei Firmen- bzw. Unternehmensbeteiligungen um eine übliche Art der Finanzierung von jungen Gründer:innen und Startups. Laut Definition geht es bei Unternehmensbeteiligungen oder auch Kapitalbeteiligungen darum, dass Investor:innen partielle Anteilhaber:innen an deinem Unternehmen sind. Damit Anteilseigner:innen Firmenbeteiligungen in deinem Startup kaufen können und so Mitspracherecht in deiner Firma haben, erhältst du von ihnen Kapitaleinlagen. Diese Geld- oder Sacheinlagen zählen dann zu dem Eigenkapital des Gründungsvorhabens. Du kannst diese Firmenanteile entweder an private Anleger:innen oder an professionelle Investor:innen verkaufen. Die rechtliche Grundlage für Kapitalbeteiligungen ist das Unternehmensbeteiligungsgesetz.

Die Beteiligung an einem Unternehmen kann unterschiedliche Formen annehmen:

  • Gesellschafts- oder Genossenschaftsanteile
  • Aktien
  • Anteile an geschlossenen Fonds, z.B. Private Equity Fonds

Aufgaben einer Unternehmensbeteiligung

Wenn du vorhast, für dein Startup Unternehmensbeteiligungen zu verkaufen, erwerben deine Anleger:innen einerseits Rechte, andererseits Pflichten:

  • Stimmrecht: Investor:innen sind befugt, bei bestimmten Entscheidungen oder Gesellschaftsbeschlüssen im Unternehmen, ihre Stimme abzugeben.
  • Informationsrecht: Es steht deinen Gesellschafter:innen zu, dass sie regelmäßig Auskunft über Firmenabläufe erhalten.
  • Gewinnbezugsrecht: Anleger:innen haben das Recht auf einen Anteil des Profits, den deine Firma erwirtschaftet.
  • Treuepflicht: Indem Kunden Unternehmensbeteiligungen kaufen, binden sie sich auch an dein Unternehmen und müssen deiner Firma loyal bleiben.

Welche Arten der Firmenbeteiligung gibt es?

Der Erwerb einer Kapitalbeteiligung bei einem jungen Start-Up kann auf verschiedene Arten erfolgen:

1. Offene Unternehmensbeteiligung kaufen

Bei offenen Firmenbeteiligungen geht es um Investitionen, die in das Eigenkapital einer Gesellschaft fließen und deshalb auch ins Handelsregister einzutragen sind. Informiere dich daher, was bei einer Handelsregistereintragung wichtig ist. Außerdem besteht die Möglichkeit bei dieser Art der Unternehmensfinanzierung, Kapitalanlagen im Jahresabschluss einer Firma einzusehen. Gesellschafter:innen einer offenen Beteiligung stehen Gewinn- und Verlustbeteiligungen zu und sie profitieren vom Mitspracherecht.

2. Stille Beteiligungen

Stille Teilhaber:innen sind sowohl im Jahresabschluss als auch im Handelsregister nicht zu finden. Außerdem richtet sich deren Haftung nach der Höhe ihrer Kapitaleinlage. Letztlich verfällt für sie das Recht der Mitsprache. Die stillen Unternehmensbeteiligungen finden mit einer Mischform aus Eigen- und Fremdkapital statt.

3. Direkte Unternehmensbeteiligung

Wenn sich Anleger:innen dazu entscheiden, Firmenanteile auf direktem Weg zu kaufen, handelt es sich um Investitionen in GmbH-Anteile. Vor allem in der Wagnis-Kapital-Branche ist dies die beliebteste Version von Investor:innen. Dies gilt auch für professionelle Finanziers wie Business-Angels (BAs) oder Venture-Capital-Gesellschaften (VCs), die in erster Linie in Eigenkapital, d.h. GmbH-Anteile investieren. Das liegt daran, dass die meisten Jungunternehmen nach wie vor die Rechtsform der GmbH wählen.

4. Indirekte Beteiligung an einem Unternehmen

Neben der direkten gibt es auch die indirekte Variante der Kapitalbeteiligung. Bei dieser Version geht es um die Investitionen in Fondsanteile. Der Punkt ist, dass Anleger:innen auf diese Weise nicht selbst in das Unternehmen investieren, weshalb ihnen auch das Mitsprache- oder Profitbeteiligungsrecht nicht zusteht. Der indirekte Gewinn besteht darin, dass dein Start-Up durch die Fonds-Beteiligung an der Börse gut dasteht, was sich auch die Höhe der Ausschüttungen auswirkt. In diesem Fall erhält der Fondsmanager repräsentativ für seine Investor:innen das Mitspracherecht bei der Aktionärsversammlung, wenn Stammaktien der Gesellschaft Teil des Fonds sind.

Info

Fonds-Methode reduziert Investitionsrisiko

Grundsätzlich sind Fonds in Deutschland eine sehr populäre Art, Geld anzulegen. Die Fonds-Methode reduziert das Investitionsrisiko für Anleger:innen, da hiermit in unterschiedliche Investmentziele eingezahlt wird.

Definition: Was ist eine Unternehmensbeteiligungsgesellschaft?

Eine Unternehmensbeteiligungsgesellschaft (UBG) ist ein Unternehmen, das rein auf Firmenbeteiligungen spezialisiert ist. Die Arbeit einer solchen Firma besteht ausschließlich darin, Kapitalbeteiligungen einzukaufen, diese zu verwalten und wieder zu verkaufen. Ein solches Unternehmen finanziert sich nicht, wie andere, durch den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen. Der Profit von UBGs entsteht durch Minderheitsanteile. Das bedeutet, der Gewinn solcher Firmen entsteht durch die Geldanteile, die sie von anderen Unternehmen erhalten.

Unternehmensbeteiligung von Mitarbeiter:innen

Die Unternehmensbeteiligung ist nicht nur für externe Investoren möglich. Als Chef:in eines Startups kannst du auch Unternehmensbeteiligungen für deine Mitarbeiter:innen zur Verfügung stellen. Dieses Verfahren bietet sich an, wenn du deinen Mitarbeiter:innen keine hohen Vergütungen auszahlen kannst, diese aber trotzdem an dein Unternehmen binden willst. Indem deine Angestellten zu Teilhaber:innen werden, haben sie die Chance, einen Anteil vom Kapitalbesitz deines Business zu erhalten.

Kann man einen Kredit für Unternehmensbeteiligung aufnehmen?

Grundsätzlich ist es möglich, dass Interessent:innen einen Kredit aufnehmen, um sich an einem Unternehmen zu beteiligen. Welche Konditionen sie hier beachten müssen, hängt von der Bank ab, bei der sich Anleger:innen informieren. Bei manchen Krediten muss es sich bei der Beteiligung zum Beispiel um eine dauerhaft etablierte Vollexistenz handeln. Andere Banken setzen voraus, dass Investor:innen dennoch einen bestimmten Betrag an Eigenkapital mitbringen Wieder andere Kreditinstitute gewähren nur einen bestimmten Kreditumfang bzw. maximalen Kreditbetrag, wenn es sich um Firmenbeteiligungen handelt. Zuletzt kann der Kredit auch an eine bestimmte Anzahl von Jahren gebunden sein.

Vorteile der Unternehmensbeteiligung

Vorteile einer Unternehmensbeteiligung bestehen auf beiden Seiten: Sowohl auf Seite des Unternehmens als auch auf Seite der Anteilseigner:innen:

Vorteile für Unternehmen:

1. Durch die Unternehmensbeteiligung sind die Anteilseigner:innen zu Loyalität gegenüber dem Unternehmen verpflichtet. Sollte ein Unternehmen in einer bestimmten Situation haftbar gemacht werden, hat er durch die Beteiligung der Gesellschafter:innen eine finanzielle Absicherung.

2. Durch die Unternehmensbeteiligungen erhöht sich das Eigenkapital deines Start-Ups und daraus folgt, dass sich der komplette Wert deiner Firma vergrößert. Daher eignet sich die Kapitalbeteiligung als gute Förderung für Existenzgründer:innen.

3. Die Unternehmensbeteiligung ist zudem profitabler als ein klassischer Bankkredit. Da die Firmenbeteiligung zum Eigenkapital zählt, ist die Bilanz des geförderten Unternehmens nicht belastet.

Vorteile für Anteilseigner:innen:

1. Ein Vorteil für Anteilseigner:innen hat einen rein finanziellen Hintergrund. Kann das geförderte Unternehmen einen hohen Gewinn erzielen, haben alle Teilhaber:innen ein Recht darauf, einen Betrag von diesem Profit zu erhalten.

2. Ein zweiter Vorteil ist das Mitspracherecht. Als Anteilseigner:in hast du die Erlaubnis, bei Abläufen im Unternehmen mitzureden. Du erhältst wichtige Informationen über wirtschaftliche Entwicklungen und kannst Kunden- oder Produktentwicklungen mitverfolgen. Als Investor:in weißt du also gut über die Firma Bescheid. Geht es bei einem Betrieb um die Unternehmensnachfolge, kommen dafür auch aktive Anteilseigner:innen in Frage. Langjährige Gesellschafter:innen haben also auch die Möglichkeit, in die Geschäftsführung überzugehen. Informiere dich über eine Checkliste zur Unternehmensnachfolge, welche Faktoren hierbei noch zu beachten sind.

Fazit zur Unternehmensteilhaberschaft

Unternehmensbeteiligungen sind eine gute Investment-Form sowohl aus sich des Start-Ups als auch aus Sicht der Investor:innen. Durch die Kapitalbeteiligungen wächst dein junges Unternehmen einerseits, bei hohen Gewinnzuwachs profitieren andererseits deine Anteilseigner:innen von deinem Ertrag. Als Neu-Gründer:in solltest du wissen, dass deine Investor:innen dir gegenüber eine Treuepflicht eingehen, gleichzeitig haben sie ein Recht auf Informationen über dein Unternehmen und ein Mitspracherecht. Letztlich können deine Investor:innen frei entscheiden, ob sie sich offen oder still, direkt oder indirekt an deiner Firma beteiligen wollen.

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