Unternehmensgründung während des Studiums: So gelingt‘s

Nach Expertenanalysen werden Existenzgründungen in Deutschland Jahr um Jahr beliebter. Zu potenziellen Gründungswilligen zählen auch junge Studierende. Einige von ihnen tragen sich sogar bereits während des Studiums an der Uni mit dem Gedanken, als Student ein Unternehmen zu gründen. Doch kann das funktionieren, gleich zwei ehrgeizige Projekte – Lernen und Gründen im Studium – erfolgreich umzusetzen? Auf welche Herausforderungen du stößt, wenn du als Student eine Unternehmensgründung während des Studiums anstrebst, erfährst du im Wissensportal von LEXROCKET. Mach dich deshalb schlau und realisiere hinterher deinen Traum!

Selbstständig machen als Student?

Grundsätzlich schließt das eine das andere nicht aus. Leicht geht allerdings anders. Denn sowohl ein Studium als auch die Gründung einer eigenen Firma setzen hohe Konzentration, relevantes Wissen und deinen unbedingten Willen zum Erfolg voraus. Beide Komponenten in die richtige Balance zu bringen, fordert zudem ein überdurchschnittliches Selbst- und Zeitmanagement und viel Leidenschaft für die eigene Geschäftsidee. Viele Studenten haben bereits Erfahrung darin, mit einem prall gefüllten Terminkalender klarzukommen. Sie arbeiten nicht nur im Hörsaal, sondern zusätzlich in diversen Jobs, um sich monatlich etwas Geld dazuzuverdienen. Vielleicht geht dir das ebenso, aber du fragst dich inzwischen, ob du Zeit und Wissen nicht besser gleich in eine selbstständige Tätigkeit investieren solltest? Wenn der Schritt in die Selbstständigkeit wirklich deine Vision ist, dann solltest du Nägel mit Köpfen machen und dich mit dem Basiswissen eines Gründers ausstatten. LEXROCKET zeigt dir, welche Kontakte du zur Unterstützung deines geplanten Business knüpfen kannst und welche Fallstricke du für eine Unternehmensgründung während des Studiums kennen musst.

Hilfen für eine Unternehmensgründung im Studium

Auch wenn es in Deutschland vergleichsweise eher ungewöhnlich ist, eine Existenzgründung während des Studiums durchzuführen, steht doch prinzipiell einem Erfolg nichts entgegen. Bitkom, Deutschlands Digitalverband, fasste in einer aktuellen Studie zusammen, dass nur circa 11 Prozent aller deutschen Start-ups von Studierenden und unwesentlich mehr - nämlich 12 Prozent - von Absolventen gegründet werden. Wobei sich herausstellte, dass es den gründungswilligen Studenten nicht an Ideen mangelte, sondern sie sich häufig wegen der fehlenden Finanzierung nicht an die Existenzgründung heranwagten.

Tipp: Wie du passende Fördermöglichkeiten für deine Gründung findest, kannst du in unseren Artikeln zum Thema Fördermittel nachlesen.

Verständlich, schließlich sind Studenten wie du finanziell nicht unbedingt im Vorteil. Vor diesem Hintergrund türmt sich dann schnell eine scheinbar unüberwindliche (finanzielle) Hürde auf. Es gibt für potenzielle Gründer wie dich, die eine Unternehmensgründung während des Studiums planen, zahlreiche Fördermöglichkeiten bzw. eine Vielzahl hilfreicher Netzwerke, die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Allen voran das Gründerstipendium „EXIST “. Es wendet sich an junge Wissenschaftler, Studierende und Absolventen aus Hochschulen und Universitäten, die eine Existenzgründung vor oder nach dem Studium in Betracht ziehen. Folgende Voraussetzungen solltest du erfüllen:

  • Du hast dein Studium mindestens zur Hälfte absolviert.
  • Alternativ liegt dein Studium nicht länger als fünf Jahre zurück.
  • Das Gründungsteam darf maximal aus drei Personen bestehen.

Wichtig dabei ist, dass es sich bei deiner Gründungsidee um eine  technologieorientierte bzw. wissensbasierte Innovation handelt. Dein Vorhaben muss zudem ein eindeutiges Alleinstellungsmerkmal aufweisen, das wirtschaftlichen Erfolg verspricht. Nach Antragsbewilligung wird dir als Gründer ein Jahr lang dein persönlicher Lebensunterhalt finanziert. Je nach Status erhältst du als Antragsteller unterschiedlich hohe Fördersummen:

  • Studierende erhalten 1.000 Euro monatlich.
  • Absolventen mit Hochschulabschluss erhalten 2.500 Euro.
  • Promovierte Gründer erhalten monatlich 3.000 Euro.
  • Technische Mitarbeiter bekommen 2.000 Euro.
  • Als Plus gibt es einen monatlichen Kinderzuschlag von 150 Euro.

Darüber hinaus hast du als Stipendiat bei Einzelgründung bzw. Teamgründung eines Unternehmens Anspruch auf weitere Fördersummen zwischen 10.000 Euro und 35.000 Euro. Damit bist du in der Lage, notwendige Sachmittel zu finanzieren. Das EXIST-Stipendium gewährt außerdem finanzielle Unterstützung für Qualifizierungsmaßnahmen sowie Gründungsberatungen.

Das musst du bei der EXIST-Antragstellung beachten

Als Studierender, der sich mit seiner Geschäftsidee selbstständig machen möchte, profitierst du von EXIST in jedem Fall. Du musst zwar bei Unternehmensgründung während des Studiums einige Auflagen erfüllen. Befolgst du aber diese Regelwerke, ist das EXIST-Gründungsstipendium eine großartige Chance für dich und deine berufliche Zukunft. Diese Schritte bilden die Voraussetzung:

  • Antragsberechtigt ist, wer an einer staatlichen Hochschule oder Forschungseinrichtung studiert bzw. arbeitet.
  • Der Antrag wird von dir als Gründungswilligem und deiner Hochschule gestellt.
  • Dazu musst du zunächst deine Uni von deiner Geschäftsidee überzeugen.
  • Du schlägst einen Mentor aus der Hochschule vor, der deine Betreuung übernimmt.
  • Das interne Gründernetzwerk deiner Uni begleitet dich zusätzlich mit einem Coach. Das alles muss deine Hochschule für deinen EXIST-Antrag nachweisen.

Nach Antragstellung lernst du bei deinem EXIST-Coach oder im Gründungsseminar ebenfalls Sinn und Zweck eines Businessplans kennen. Du kannst aber zusätzlich in Wissensportalen, z. B. von LEXROCKET, ganz leicht deinen individuellen Businessplan erstellen und das völlig kostenlos. Bestandteil darin wird unter anderem deine Geschäftsidee sowie ein sorgfältig erarbeiteter Finanzierungsplan sein. Deine Liquiditätseinschätzung sollte hierbei die ersten drei Gründungsjahre berücksichtigen. Dieser Planung musst du große Aufmerksamkeit schenken. Die Kalkulationen darin müssen korrekt und stimmig sein. Auch das Marktpotenzial deines Produktes oder der geplanten Dienstleistung sowie deine Mitbewerber solltest du sorgfältig recherchieren und realistisch darstellen. Hilfreich kann dabei auch eine Zielgruppenanalyse sein.

Doppelbelastung als studierender Gründer

Einerseits sind zahlreiche Studiengänge so ausgelegt, dass Studierende durchaus noch Zeit für andere Inhalte haben. Die einen nutzen dies, um besonders fleißig zu lernen oder gehen nebenher jobben, um sich ihren Traumurlaub zu finanzieren. Andererseits kostet es viel Zeit und Energie, eine ernsthafte Gründungsidee zu verfolgen. Du darfst den Aufwand einer Unternehmensgründung während des Studiums keinesfalls unterschätzen. Allerdings wäre es schade, wenn du deine Vision nicht auf ihre Tauglichkeit überprüfst. Gehe deshalb achtsam vor, um dein Unternehmertum vorzubereiten, dann wirst du auch dein Studium nicht gefährden. Folgende Punkte sind wichtig:  

  • Definiere deine Gründungsidee.
  • Kalkuliere exakt die Zeit, die dir während des Semesters für die Umsetzung zur Verfügung steht.
  • Mach dir die Nachteile bewusst: knappe Zeit und knappe Mittel.
  • Sieh die Vorteile deines Business: Neues Wissen und mehr Erfahrung in deinem Beruf.
  • Setze dir realistische Ziele.
  • Wenn nötig, hole notwendige Genehmigungen ein und kläre Markenrechte.  
  • Entscheide dich für die passende Rechtsform und melde deine Selbstständigkeit bei den Behörden an.
  • Eröffne ein Geschäftskonto.
  • Nach Gründung stehen ein professioneller Webauftritt und Standards wie Logo, Visitenkarte für die Corporate Identity an.
Unser Tipp

Universität als idealer Start in die Selbsttändigkeit

Die Universität stellt für Studenten wie dich in jedem Fall ein ideales Umfeld zur Unternehmensgründung dar. Dort steht dir ein reiches Angebot an Gründungswissen aller Art zur Verfügung. Du profitierst direkt von Netzwerken der Hochschule, die dir ihrerseits qualitativen Austausch ermöglichen und wissenschaftlich fundierten Input zur Optimierung deiner Idee anbieten. Als Studierender, der ein Unternehmen gründen möchte, wirst du somit nicht alleine gelassen. Häufig gibt es zudem interessante Synergien zwischen eingeführten Unternehmen und Hochschulen. Höre dich deshalb an deiner Uni um, kläre deine Fragen und nutze Gelegenheiten, wenn sie sich auftun!

Gründen im Studium hat Auswirkung auf Bafög und Co.

Als angehender Gründer musst du allerdings einige Stolpersteine berücksichtigen, wenn es um relevante Themen wie Krankenversicherung, BAföG und Kindergeld geht. Folgendes solltest du wissen:

  • BAföG: Hier gibt es eine Einkommensgrenze, die du bei Unternehmensgründung während des Studiums nicht überschreiten darfst. Liegt dein Einkommen nämlich über 4.410 Euro, musst du mit Kürzungen rechnen.
  • Kindergeld: Es wird dir als selbstständigen Studenten im Erststudium ohne Einkommensanrechnung gewährt. Im Zweitstudium wird dein Einkommen angerechnet, wenn du als Student mehr als 20 Stunden selbstständig tätig bist.
  • Krankenversicherung: Bist du Student und selbstständig, legt die Krankenversicherung  bestimmte Einkommensgrenzen fest. Bist du familienversichert, darfst du nicht mehr als 445 Euro monatlich verdienen. Überschreitest du diese Grenze mehrfach im Jahr, dann endet dein Versicherungsschutz und du musst dich als Student selbstständig um eine freiwillige Krankenversicherung kümmern.
  • In die gesetzliche Rentenversicherung zahlst du als selbstständig tätiger Student in der Regel nicht.

Unternehmensgründung während des Studiums: Vor- und Nachteile

Hast du vor, dich als Student mit deinen Ideen selbstständig zu machen, fallen dir bestimmt zunächst zahlreiche Vorteile ein. Vergiss aber nicht, dir ganz ehrlich die Rechnung aufzumachen, denn als Student, der zugleich nebenberuflich selbstständig arbeitet, musst du auch Nachteile berücksichtigen.

Folgende Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen:

  • Bist du z. B. Werkstudent und selbstständig tätig, wertest du mit deiner Arbeit deinen Lebenslauf auf. So erkennen zukünftige Geschäftspartner oder Arbeitgeber, dass du Eigeninitiative besitzt und selbstverantwortlich arbeiten kannst.
  • Ein Nebenverdienst durch einen Minijob ist für Studenten, die sich selbstständig machen, immer hilfreich. Vor allem wenn er mit einer innovativen Idee erzielt wird, die deiner späteren Selbstständigkeit nützt.
  • Mithilfe einer Unternehmensgründung während des Studiums erweiterst du deine Kompetenzen und erwirbst großes Praxiswissen für deine berufliche Zukunft.
  • Es gibt kaum einen besseren Zeitpunkt als Gründer Erfahrungen zu sammeln, als während des Studiums. Die Risiken sind vergleichsweise kleiner als bei Gründern, die nach der Ausbildung in die Selbstständigkeit starten.

Diese Nachteile solltest du bedenken:

  • Die Doppelbelastung durch Studium und Gründungsvorbereitung bzw. selbstständige Arbeit ist enorm. Ohne Disziplin und Verzicht geht es nicht.
  • Unerfahrene Gründer wie du müssen sich mit komplexer Bürokratie auseinandersetzen, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt. Bist du Student und selbstständig, wirst du dich nämlich mit Steuern und Steuererklärungen konfrontiert sehen und auch die Grundlagen der Buchhaltung sind das A und O eines gut geführten Unternehmens.
  • Freizeit wird für dich deshalb zur Mangelware, denn studieren und gleichzeitig ein Business aufbauen, kostet Zeit und Energie. Das bewältigt nicht jeder.

Spezielle Studiengänge für Gründer:innen?

Tatsächlich gibt es einige Möglichkeiten, dich mit einem speziellen Studiengang für Existenzgründer auf deine Selbstständigkeit vorzubereiten. Das können z. B. Bachelor-Studiengänge mit dem Schwerpunkt „Unternehmensgründung und -nachfolge“ sein. Manche davon sind als berufsbegleitendes Abendstudium angelegt, damit du Praxis und Wissenschaft ideal verbinden kannst. Diese Art des Studiums endet sogar mit einem konkreten Geschäftsmodell für dein persönliches Gründungsprojekt. Darüber hinaus gibt es den Weg, nach einem Fachstudium ein dreisemestriges Aufbaustudium zum Thema „Unternehmensgründung und -führung“ zu starten. Mitunter musst du hierfür eine zweijährige Berufserfahrung nachweisen. Stehst du ganz am Anfang deiner Berufswahl kannst du nach dem Abitur den Studiengang „Entrepreneuership“ wählen. Auch Studiengänge mit Schwerpunkten Betriebswirtschaft, Marketing oder Projektmanagement können für deine spätere Selbstständigkeit von hohem Wert sein.

Hoher Informationsbedarf bei Gründung

Wenn du dich für eine Unternehmensgründung während des Studiums entscheidest, muss dir klar sein, dass dein Informationsdefizit enorm sein wird. Das heißt, du brauchst alle Hilfestellungen, die sich auf tun. Denn nur dann läufst du nicht Gefahr, gleich in den ersten beiden Jahren zu scheitern. Wichtig sind organisatorische wie steuerrechtliche Informationen, damit du den Gründungsprozess deiner Geschäftsidee korrekt durchlaufen kannst. Ist die Rechtsform geklärt, Notartermin bzw. Gewerbeanmeldung vollzogen, geht es weiter mit buchhalterischen Anforderungen. Es gilt also stets neues Wissen zu erwerben und zum Beispiel Austausch mit anderen Gründern in Gründerzentren zu pflegen. Du kannst auch Seminare buchen oder von deinen EXIST-Coaches lernen. Wissen ist in jedem Fall dein Kapital für den Erfolg. Das Wissensportal von LEXROCKET unterstützt dich in allen relevanten Themen für Gründer. Fördermittel finden ist mit den kostenlosen Tools von LEXROCKET ebenfalls kein Problem. Mach dich schlau!

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